Es googelt wieder.

Eigentlich ist es ganz simpel: Um eine "Internet-Wirtschaft" aufzubauen, braucht man das Internet - und nützliche Ideen, was die Leute damit anfangen sollen. Doch in den späten neunziger Jahren, als allerorts die New Economy ausgerufen wurde, mangelte es noch an beidem. Schnelle Netzanschlüsse waren wenig verbreitet, Computer nur von technischen Talenten zu benutzen. Und die guten Ideen? Seit dem Technologiecrash im Frühjahr 2000 mussten in den USA 5000 Internet-Firmen dichtmachen - was angesichts der vielen unausgegorenen Geschäftsmodelle niemanden wunderte. Web-Seiten wie fuckedcompany.com sind heute diesen virtuellen Luftschlössern gewidmet.

Doch zum Jahresende 2003 scheint die Internet-Wirtschaft von den Toten zu erwachen und sich zu einer Next Economy aufzuschwingen. "Investoren entdecken wieder das Potenzial von Online-Diensten", meldet der Branchendienst Webmergers aus San Francisco und verzeichnet eine Fülle von Neugründungen.

Alte Bekannte lassen die Anleger wieder aufhorchen: Der Branchenriese Google plant 2004 einen spektakulären Börsengang, der Verzeichnisdienst Yahoo!, der Online-Buchhändler Amazon und das Auktionshaus eBay notieren schon wieder mit aberwitzigen Aktienkursen. Was ist passiert?

Hilfreich: Die Einkäufer.

Tragbare Computer, Breitbandleitungen, drahtlose Netzwerke, Internet-Browser in Mobiltelefonen, bessere Software mit weniger Systemabstürzen und ein allgemeiner Gewöhnungseffekt haben offenbar Jahr für Jahr neue Bevölkerungsgruppen ins Netz gelockt. Und etliche Branchenauguren glauben, dass eine kritische Masse für profitable Online-Shops und andere Dienstleister entstanden ist. Im Internet-Pionierland USA legten die elektronischen Einkäufe beim Christmas-Shopping nach den ersten Schätzungen um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Wobei die ersten Einkäufer die neueste Internet-Dienstleistung gegen den Vorweihnachtsstress in Anspruch nahmen: virtuelle Einkaufshelfer mit Namen wie Jazz Personal Management oder RightHand Management. Solche Auftrags-Shopper, die ihren Kunden die Garderobe zusammenstellen oder eine Einkaufsliste abarbeiten, gab es bisher in gehobenen Warenhäusern und vereinzelt von freischaffenden Unternehmern. Doch diese Helfer - ihre Stundenpreise beginnen bei 30 Dollar - nehmen ihre Aufträge per E-Mail entgegen, shoppen im Internet oder auch persönlich in einer exklusiven Boutique, spüren eigentlich ausverkaufte Gegenstände auf, verpacken Geschenke und spielen den Weihnachtsmann.

Cyber-Heinzelmännchen beantworten auch Telefongespräche, organisieren Putzhilfen, schreiben Briefe, buchen Reisen und führen Geschäftskonten. Die Branche wächst so schnell, dass es in den USA schon zwei Branchenverbände namens Virtual Assistants Association und International Virtual Assistants Association gibt. Manche Assistenten bieten ihre Dienste Privatpersonen an - andere wie Les Concierges aus San Francisco sind für Firmen da, die ihren Mitarbeitern oder besten Kunden das Leben erleichtern wollen. Marktforscher wie Melinda Davis von der Next Group in New York sehen solche Helferlein als heißen neuen Wachstumsmarkt: Überstunden, Stress und Terminnot gehen uns nämlich auch in der Next Economy nicht aus.