FLÖTE: MARGRET LÖBNER

"Auf jede Flöte, die den Laden verlässt, bin ich ein bisschen stolz", sagt Margret Löbner. Rund zwei Wochen arbeitet sie an einem Stück. Vorbilder dafür findet die 40-Jährige in Museen. Sie baut die Originale bekannter Barockflötenbauer nach. Besonders gerne mag sie die Altflöte nach Debey. "Die klingt einfach toll."

Mit 16 hatte sie beschlossen, Flötenbauerin zu werden. Das Gymnasium im schwäbischen Schorndorf hatte sie satt. "Stundenlang über Büchern zu sitzen lag mir nicht." In der Geigenbauwerkstatt von Schwester und Schwager fühlte sie sich dagegen wohl. Aber einfach dasselbe machen wie sie wollte sie dann doch nicht. Etwas Eigenes sollte es schon sein. Flöte spielte sie seit langem, und so war die Sache klar.

Heute kommen Profiflötisten und ehrgeizige Amateurmusiker zu ihr, um sich von ihr Instrumente fertigen zu lassen - aus europäischem Buchsbaum, dem einzigen Material, das sie verwendet. Nur der so genannte Block, der in das Mundstück eingepasst ist, ist aus Zedernholz. Denn Zeder quillt nicht, und das ist wichtig, damit das umgebende Holz nicht reißt.

Wie die Flöte später klingen wird, hängt von vielerlei ab: von der Länge, vom Abstand und der Größe der Tonlöcher, von der Form der Innenbohrung, die mit Spezialwerkzeugen nachgearbeitet wird - vom "Windkanal", in den der Spieler bläst, und von der keilförmig zulaufenden Zunge im Kopfstück, dem Labium. Zum Schluss feilt die Flötenbauerin noch am Klang, arbeitet zum Beispiel mit feinem Schleifpapier den Windkanal nach. Der ist ohnehin heikel. "Da muss man auf Zehntelmillimeter genau arbeiten, sonst ist die Flöte futsch." Auch das kommt vor, dann wandert das Stück ins Feuer. "Es heizt aber gut", lacht Margret Löbner. Zum Schluss werden die Flöten in Öl gebadet - etwa zehn Tage lang. Lackieren will Margret Löbner ihre Stücke nicht, denn dann würden dem Musiker, wenn er schwitzt, die Finger abrutschen.

Wer professionell Flöten bauen will, muss eine Lehre machen - zum Holzblasinstrumentenbauer. Ein halbes Jahr suchte Margret Löbner damals in ganz Europa nach einem Ausbildungsplatz, bis sie schließlich in Schleswig-Holstein fündig wurde. "Man gab mir oft zu verstehen, dass man keine Mädchen als Lehrlinge nehmen wolle", erinnert sie sich. Heute ist sie froh, dass sie sich nicht abwimmeln ließ. Aber eigentlich war sie "immer schon überzeugt, dass es funktioniert". Mitte der achtziger Jahre machte sie sich dann selbstständig, mit einem Laden und einer Werkstatt in Bremen.

Wie gut eine Flöte wird, hängt nicht allein vom Geschick des Flötenbauers ab, sondern auch davon, wer sie einspielt. Die Beziehung von Instrument und Musiker ist ohnehin enorm wichtig, findet Margret Löbner. Am liebsten ist es ihr, wenn es zwischen beiden funkt. "Der Spieler muss sich in das Instrument verlieben. Und später muss es dann eine gute Ehe werden."