In Ihrer aktuellen Studie "Transformation des Sekundarschulsystems und akademische Karrieren" (Tosca) loben Sie die beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg. Wofür?

Berufliche Gymnasien führen zu einer stärkeren Bildungsbeteiligung von begabten jungen Erwachsenen. Die Schüler an solchen Schulen stammen häufig aus sozial schwächeren Familien. Ihre Eltern wählen nach der Übergangsempfehlung in der vierten Klasse traditionell einen mittleren Bildungsgang. Mit der Möglichkeit, an die Sekundarstufe I die Oberstufe an beruflichen Gymnasien anzuschließen, haben gute Realschüler eine echte Chance, die früh getroffene Richtungsentscheidung zu korrigieren. Sonst bliebe ihnen der Weg zum Abitur wahrscheinlich verwehrt.

Und damit auch der Weg an die Hochschule ...

Wir beklagen in Deutschland seit Jahren, dass wir zu wenig Akademiker haben.

Wer mehr Studierende will, muss mehr Schüler zum Abitur führen. Die klassischen Gymnasien können das allein nicht mehr leisten. Wir brauchen Ergänzungen zum dreigeteilten Schulsystem. In Baden-Württemberg erwirbt rund ein Drittel der Abiturienten die Hochschulreife an beruflichen Gymnasien.

Können diese Abiturienten wirklich mithalten?

Wir haben uns ihre Schulleistungen in den Fächern Mathematik und Englisch angeschaut. In Mathematik sind Schüler an beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg genauso gut wie der bundesweite Durchschnitt an allgemeinbildenden Gymnasien. In Englisch erreichte ein Drittel der Schüler ein Ergebnis von 500 Punkten im TOEFL-Test, gegenüber zwei Dritteln bei den restlichen Gymnasiasten. Durch die fachliche Vorstrukturierung wissen Schüler an beruflichen Gymnasien außerdem sehr genau, was sie später studieren wollen.