Was für eine Utopie! Die 1903 ersonnen und 1932 an der Welt zerronnen ist: dass Kunst und Handwerk gleichgewichtig, dass "kreativ" und "kollektiv" produktiv wären, dass Gestaltung & Geschäft vereinbar, dass der Zwischenhandel ausschaltbar, Manufaktur + Industrie in Harmonie und dass Entwerfer und Benutzer Freunde seien - die weltberühmte Wiener Werkstätte.

Eine fruchtbare Illusion endet im Bankrott, aber siegt bis heute über Dekorwahn und Ornament. Gegen den Historismus angetreten, wurde ein Stil als Markenname ausgerufen, der Klarheit, Schlichtheit, Sachlichkeit proklamierte, Materialtreue und Eleganz. Wie mühsam der Kampf gegen die Mäander der Muschelzeit war, zeigt die voluminöse Geburtstagsausstellung Der Preis der Schönheit, die das Wiener MAK, Museum für Angewandte Kunst, in Szene setzt (bis zum 7. März 2004). 1200 Objekte auf 120 Laufmetern im schwarz bespannten Baugerüst, das das Doppel-"W"-Logo der Design-Firma nachstellt. Die obligat als "Intervention" verkaufte Präsentationsform der Schau zahlt reichlich ihren Tribut an die modischen und geschmäcklerischen Auswüchse des Zeitgeistes von heute. Dabei ist sie konzeptionell konsequent gegen den Kanon ausgelegt: Tapete, Tasse, Teelöffel, Vase, Villa, Möbel und Krawatte, die ganze Ganzheitlichkeit des Entwurfs von Hochdesign bis Massengeschmack.

Natürlich sind die Stil-Ikonen eines Josef Hoffmann und seiner Kombattanten schön anzuschauen, aber der wirkliche Reiz liegt in der neuen Wiener Kombination der großen Solitäre mit der Mittelmäßigkeit der Kommissionsware.

Aufregend die Spannung zwischen der ästhetischmerkantilen Normalität und der himmelstürmenden Attitüde exzellenter Exponate. Um Ramsch und Ruhm aus Wien herum brillieren im Vergleich Glanzstücke der internationalen Kollegenschaft.

Und im Umgriff darum erzählen 60 Laufmeter Dokumente die Geschichte von Geschäft und Gestaltung einer Reformvision an der Donau. 1500 sehenswerte Quadratmeter!