die ZEIT: Frau Kommissarin, Sie haben in ganz Europa für Furore gesorgt, weil Sie angeblich den Boulevardblättern die Pin-up-Girls verbieten wollen.

Anna DIAMANTOPOULOU: : Ich bin nie zuvor so oft neben nackten Frauen abgebildet worden. Das ist schon eine Erfahrung der besonderen Art.

ZEIT: Denken Sie ernstlich an ein Verbot?

DIAMANTOPOULOU: : Zunächst eine politische Antwort: Mich stört es, wie Zeitungen da nackte Frauen und Sexdienste ausbeuten. Das verstößt gegen die Menschenwürde, wir sollten das nicht hinnehmen. Doch juristisch, etwa per EU-Richtlinie, kann man dagegen wenig tun. Deswegen habe ich ja von Anfang an klargemacht, dass hier ein großes Missverständnis vorliegt. Gesetzlich hatte die EU-Kommission da gar nichts geplant. Das hat aber die meisten Journalisten nicht weiter interessiert, nachdem die Financial Times die Geschichte einmal gedruckt hatte. So etwas verkauft sich gut: Die "Große Schwester" aus Brüssel will in unserem Leben herumpfuschen!

ZEIT: Also alles ein großes Missverständnis?

DIAMANTOPOULOU: : Ich bin dafür, dass wir uns in Europa auf einen Verhaltenskodex einigen. Es ist nicht in Ordnung, wenn Zeitungen unter zwei wunderschöne Frauen den Text schreiben: "Zwei für den Preis von einer." So was sollten wir nicht hinnehmen – egal, ob es dabei um Frauen oder Männer geht. Aber dagegen müssten die nationalen Behörden etwas tun. Die Kommission in Brüssel hat da keinen Einfluss.

ZEIT: Sind die europäischen Rechtssysteme, sind Wirtschaft und Gesellschaft sexistisch?