Zuversicht scheint den Kunsthandel für das Jahr 2004 zu beflügeln: Wie anders wäre es zu erklären, dass die ohnehin große deutsche Messelandschaft weiter wächst und Zuwächse in Hamburg, Karlsruhe und Wiesbaden bekommt? In Hamburg verfolgt man schon seit 20 Jahren den Plan, eine qualitativ hochrangige Messe dauerhaft an einem Ort der Stadt zu etablieren; Karlsruhe hingegen mischt sich aus dem Nichts in das Kunsthandelsgeschehen ein. Und in Wiesbaden wendet sich im Juli die erste Fach-Kunstmesse, ARTforum, in Kombination mit einem Kongress zum Thema Corporate Art an Unternehmen, die ihr Image auch über Kunst und Kultur definieren und auf Tuchfühlung mit Galerien gehen wollen. Vom Sinn der neuen Projekte sind nicht unbedingt alle Händler überzeugt.

Den Auftakt macht vom 11. bis 15. Februar die Kunstmesse Hamburg. Für rund 40 norddeutsche und einige westdeutsche Händler geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Sie können Antiquitäten und Kunst endlich in der zentral gelegenen Deichtorhalle ausbreiten. Immer wieder war darüber verhandelt worden, jetzt vermietet das etablierte Zentrum zeitgenössischer Kunst den Händlern erstmals die 2000 Quadratmeter große Südhalle. Großzügig wird die neu gegründete AG Kunstmesse Hamburg die Verkaufsschau in Szene setzen. "Wir wollen die offene Struktur der Halle nutzen, um den Besuchern einen luftigen und übersichtlichen Rundgang zu ermöglichen und auf die übliche Kaninchenstall-Architektur verzichten", sagt der Hamburger Ostasiatika-Händler und Messesprecher Karl Hennig. Nach Experimenten auf dem Messegelände, im Schloss Reinbek vor den Toren Hamburgs und in Kleinstbesetzung im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe scheint die Deichtorhalle den Ausstellern der "ideale Ort für einen Neuanfang", so der Hamburger Kunsthändler Rainer Herold.

Aus dem Stand wird in Baden-Württemberg die erste art Karlsruhe für den 4. bis 7. März vorbereitet. Die Messe- und Kongress-GmbH versteht sie als besonderen Glanzpunkt für die im Oktober 2003 neu eröffnete Oberlichthalle mit 13000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Als Kurator beauftragte sie den ortsansässigen Galeristen Ewald Karl Schrade, der rund 80 Kollegen aus dem In- und Ausland mit Klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst gewinnen konnte, darunter die Galerie Vömel aus Düsseldorf, Klauspeter Westenhoff aus Hamburg und van der Koelen aus Mainz neben weitgehend unbekannten Namen. Nach den Vorstellungen Schrades soll sich die art Karlsruhe vor allem optisch abheben. An elf Orten werden Großplastiken aufgestellt, um die herum sich teils geräumigen Standplätze gruppieren. 160 Quadratmeter hat beispielsweise die Pariser Galerie Arlette Gimaray gebucht. Im Rahmenprogramm sind Werke von Informel bis zur Figuration aus der Sammlung Hurrle und "Positionen aus 25 Jahren Kunstförderung" der Kunststiftung Baden-Württemberg zu sehen.

Als "familiär und übersichtlich" bewirbt die Berliner PR-Agentur Lindinger + Schmid die Regionalmesse im Pressetext. Der zugehörige Verlag Lindinger + Schmid in Regensburg übernimmt praktischerweise die redaktionelle Berichterstattung für die art Karlsruhe in seiner Kunstzeitung.

Skeptisch sieht den ausufernden Messeaktivitäten beispielsweise die Karlsruher Galerie Meyer Riegger entgegen. "Statt den Standort Deutschland durch vielleicht eine oder zwei vernünftige Messen zu positionieren, wird hier eine Idee zu Tode geritten, an der nur die Veranstalter etwas verdienen", sagt Thomas Riegger. Die Galerie wird deshalb im kommenden Jahr nur an der Armory Show in New York und der Art Basel teilnehmen.

Sind schon die Namen der neuen Messen nicht gerade originell, verfolgt das ARTforum Wiesbaden (7. bis 11. Juli) zumindest inhaltlich einen anderen Weg. Der Geschäftsführer der KunstWerk GmbH, Leander Rubrecht, richtet in den Rhein-Main-Hallen am ersten Tag für 600 geladene Fachbesucher einen Kongress aus, auf dem zum Thema Unternehmen, Sponsoring und Kunst einige Vertreter des Frankfurter Städel Museums, der UBS-Abteilung Art Banking in Basel, der Deutschen Bank und des Instituts für Unternehmensentwicklung Frankfurt zu Wort kommen, bevor die Messe dann allen interessierten Besuchern offen steht. Eine Jury wählt im März 100 Galerien als Teilnehmer aus. Interessant ist das ARTforum für Händler, die Kontakte zu Unternehmen mit eigenen Sammlungen suchen, und für Firmen, die ihr Profil mit Ausstellungen und etwaigen anderen Kunstprojekten ergänzen möchten ( info@artforum-wiesbaden.de ).