Audiophil veranlagte Menschen muss man vor dieser Platte warnen. Sie werden sich bei Tori Kudo und seiner Band Maher Shalal Hash Baz ununterbrochen ärgern, holprige 41 Stücke und 48 Minuten lang. Blues Du Jour heißt das aktuelle zweite Album der Japaner für ein schottisches Label (Geographic/Zomba 5055019902420), und es könnte in seinem leicht derangierten Liebreiz schon der erste Fixstern für die Popmusik 2004 sein: luschiges Englisch, lose herunterhängende Songteile, zarte Idiotien, Guten-Morgen-Melodien für Milchgesichter, das alles klangtechnisch auf dem Stand von 1935.

Ein ganzes Pfund Unschuld für das überfütterte Rock- und Pop-Publikum, aufgezeichnet in einem Glasgower Kunst- und Kulturzentrum. Tori Kudo, Jahrgang 1958, hat klassisches Piano studiert, spielte in einer Band namens Tokyo Suicide und trommelte für seine ersten Kassettenaufnahmen Mitte der achtziger Jahre Frau, Freunde und ein paar versprengte Free-Jazz-Genies zusammen.

Bei Maher Shalal Hash Baz geblieben ist seitdem der Euphonium-Spieler Nakazaki, der Kudos verwunschene Folksongs am liebsten zu bösen Polka-Wolken aufbläst. Kudo selbst unterscheidet zwischen "Meisterwerken" und "kleinen Miststücken", Letztere tauchen in Form von zehn- bis zwanzigsekündigen Instrumentenpflegearbeiten auf. Die besten Beiträge von Blues Du Jour aber steuern mit traumwandlerischer Sicherheit auf die undichte Stelle im Pop zu - den Moment, da jede Müh' in einem falschen Ton platzt, jede Harmonie den Bach runterstürzt. Ein Hänger ist immer drin, und Fehler müssen sein - listige Launen der Natur, Mensch-Maschinen-Missverständnisse. Und siehe da, so in Reihe fehlert es sich ganz formidabel: Kudo und seine seltsamen Heiligen marschieren unter dem guten Stern von Psychedelien.

Die Briten, speziell Stephen Pastel, Fast-Popstar der Achtziger und Mitinitiator des noch jungen Geographic Labels, sind richtig stolz darauf, diesen verlorenen Sohn Japans in ihren Armen aufgenommen zu haben: Zeigen Maher Shalal Hash Baz ihnen doch mit verhältnismäßig primitiven Mitteln, wie man ganz alltäglichen Budenzauber entfacht: "You Keep Saying In Your Heart / I Am And There Is Nobody Else." Stimmen rascheln wie Fremdkörper durch den Song. Wer dabei an die bellenden Miniaturen der Residents denkt, an die dürren Lieder von Syd Barrett oder die freie Musik Albert Aylers, ist auf dem richtigen Weg. Niemand hat behauptet, dass diese Japaner ohne Vorlauf gekommen sind. Der aus dem Hebräischen stammende Band-Name ist dem Alten Testament entnommen und lautet in der freien Übersetzung von Tori Kudo: "Sei schnell, wenn du etwas erbeuten willst."