Francesco ist einem majestätischen Mann von seltener Schönheit begegnet, so hell wie das Licht der Sonne. Der Mann nahm ihn an der Hand und ermutigte ihn mit den Worten ‚Komm mit mir, du musst kämpfen wie ein tapferer Krieger.‘ Es war eine heftige Schlacht. Mithilfe des hell leuchtenden Mannes, der immer an seiner Seite war, überwältigte Francesco seinen Widersacher. Sofort nahm der gute Mann die Krone ab und sagte: ‚Ich habe eine noch schönere für dich zur Seite gelegt. Wisse, dass du fähig bist, den guten Kampf zu kämpfen gegen den, den du gerade besiegt hast. Er wird zurückkommen und dich attackieren. Hab keine Angst, ich werde mit dir sein. Ich werde dir immer helfen, ihn zu besiegen.‘

Luigina aus Turin schmilzt dahin vor atemloser Liebe

Francesco nennt sich fortan Padre Pio, studiert Philosophie und Theologie in den Klöstern von San Marco la Catola und Sant’Elia in Pianisi und leidet mehr und mehr unter merkwürdigen Krankheiten. Nie werden sie definitiv diagnostiziert, die Ärzte sind ratlos. Der junge Mann hat ein Lungenleiden, so viel steht fest, man denkt an Tuberkulose, Jahre später fällt das falsche Wort vom Krebs. Der Patient isst wenig, schläft kaum. Er hat marternde Kopfschmerzen, muss sich übergeben. Er leidet unter Atemnot und spürt eines Tages seltsame Schmerzen in Händen, Füßen und der Brust. Er fällt beim Beten in Ekstase und wird ohnmächtig; in heißen Sommernächten hört er Schritte in Nebenräumen und sieht furchtbare Kreaturen. Bruder Pio bekommt Fieber, Brustdrücken und Kälteschweißattacken. Neue Lungenschmerzen treten auf. Wieder und wieder zieht er sich in Pietrelcina in das Steinhäuschen mit dem Namen La Torretta zurück, schließt sich für Stunden ein, betet, schreibt Briefe an seinen Seelenführer Bruder Benedetto in San Marco und hat Dutzende Visionen von Jesus und Maria. Seine Kämpfe mit dem Teufel, seine Schreie erschüttern das Bergdorf, an den folgenden Tagen wollen die Mitbewohner Kratzspuren in seinem Gesicht gesehen haben. Dann geschieht etwas Unerklärliches.

Im Mai 1909, so ist es in den alten Aufzeichnungen notiert, sammelt Padre Pio Kastanien und schickt seiner geliebten Tante Daria eine große Tüte voll davon. Kurz darauf explodiert vor dem Haus der Tante eine Lampe, die Frau erleidet schlimme Verbrennungen, schreit vor Schmerzen, rennt ins Zimmer, greift die aufbewahrte Tüte und stülpt sie sich über ihren Kopf. Sofort sei der Schmerz verschwunden, die Zeichen einer Verbrennung seien nicht mehr zu sehen gewesen. Die Leute sprechen von einem Wunder.

Der Duft von Veilchen und das helle Licht der Sonne, das die Frauen bannt. Ach Gott! Wie ist Luigina verliebt! Seit 48 Jahren verliebt und noch immer ledig! Keiner war SEINER würdig, für IHN hat sie sich aufgespart. Es ist wahre Liebe. In ihren Augen tobt das unverstellte, unverdorbene Leben, Blicke fliehen zur Decke, zum Boden, im Raum umher, es riecht nach altem Körper und neuem Geist, und ihre Augen lachen vor Glück, wenn sie von IHM erzählt, und es wackelt der Rollstuhl, in dem sie sitzt, weil sie Knochenkrebs hat und eine verschlissene Hüfte. Diese unerhörte Liebe begann im Frühsommer 1955.