Bagdad/Hamburg

Der Schnellkurs für das historische Richteramt dauerte nicht einmal zwei Wochen. Vom 7. bis zum 18. Dezember versammelten sich rund 100 irakische Juristen im Bagdader Convention Center nahe dem Raschid-Hotel um zu lernen, was die amerikanische Besatzungsmacht sich unter einem fairen Prozess gegen den Exdiktator Saddam Hussein und alle anderen Schurken des Baath-Regimes vorstellt. Staatsanwälte, Verteidiger und Richter aus dem ganzen Land kamen zu dem Seminar. Ebenfalls geladen: ehemalige Diplomaten und Juristen aus den Rechtsabteilungen internationaler Firmen, die aus dem Exil zurückgekehrt sind. Durchschnittsalter etwa 55 Jahre. Ausgewählt hat sie der irakische Regierungsrat. Die Ausbildung besorgten Mitarbeiter des Pentagon-eigenen Defense Institute for International Legal Studies, außerdem Rechtsexperten aus Großbritannien, Spanien und Australien.

Am vergangenen Donnerstag überreichte Richard Jones, eigentlich US-Botschafter in Kuwait und derzeit als Stellvertreter von Zivilverwalter Paul Bremer im Irak, den Kursteilnehmern ihre Fortbildungsdiplome. Anlass für ein Abschiedsessen in der Cafeteria des Convention Center. "Ich finde, Saddam hat auf jeden Fall die Todesstrafe verdient", sagt ein älterer Jurist im Dreiteiler, während er sich mariniertes Rindfleisch mit Reis auf den Teller lädt. "Im neuen Irak sollte es keine Todesstrafe geben", widerspricht der Mann hinter ihm. "Gerade wir mit unserer Geschichte sollten darauf verzichten." Eine junge Frau im Kostüm mischt sich ein: "Wir sollten nicht wieder in den alten Zeiten landen, wo manches Todesurteil schon vor Beginn der Verhandlung feststand."

Gut möglich, dass die drei irgendwann selbst zum neuen Irakischen Sondertribunal für Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehören werden, das am 10. Dezember offiziell gegründet wurde. Vor diesem Gericht soll, so scheint mittlerweile festzustehen, der Prozess gegen Saddam Hussein stattfinden. Die Sache Sadddam wäre nur der Auftakt für eine justizielle Abrechnung mit dem Baath-Regime und dessen Büttel. Das Tribunal will laut seinem Statut über "jeden irakischen Bürger oder Bewohner des Iraks" Recht sprechen, der sich zwischen dem 17. Juli 1968 (Machtergreifung der Baath-Partei) und dem 1. Mai 2003 (Kriegsende) Völkermord, Massakern, Kriegsverbrechen, Versklavung, Folter oder Vergewaltigung schuldig gemacht hat. Mit anderen Worten: ein Bagdader Nürnberg.

Deshalb paukten die irakischen Juristen die Genfer Konvention (Was sind Kriegsverbrechen? Welche Waffen sind geächtet? Welche Rechte haben Kriegsgefangene?) und die Rechte von Angeklagten nach dem Völkerrecht (Aussageverweigerungsrecht, Recht auf Anwalt, Recht auf Berufung).

Botschafter Jones rief die Richteranwärter zum Abschluss des Seminars zur Geduld auf. "Wir haben so viele Mitglieder des alten Regimes in Gewahrsam. An denen könnte sich das Gericht erst einmal warmlaufen, bevor es den Fall Saddam verhandelt." Die Mutter aller Prozesse brauche sorgfältige Vorbereitung.

39 der 55 Gesuchten haben die Koalitionstruppen mittlerweile aufgespürt. Insgesamt hält das Militär 7000 Personen gefangen. 101 von ihnen sind als besonders bedeutsam eingestuft. Sie sollen für die schlimmsten Gräueltaten unter der Saddam-Diktatur verantwortlich sein.

Rechtsberatung aus dem Pentagon