it-technik Gemeinsam auf die Spitze treibenSeite 3/3

Auch der Kunde sei mit seiner neuen Rolle, in der er plötzlich mehr Verantwortung tragen sollte, nicht auf Anhieb zurechtgekommen: „Er beteiligte sich recht halbherzig. Irgendwann machte es aber zum Glück ,klick‘ bei ihm, und er begann zu erkennen, was er auf einmal für Gestaltungsmöglichkeiten hatte.“ Von diesem Zeitpunkt an lief dann alles jedoch viel leichter. Nach nur sechs Monaten führte die kleine Extremistengruppe das verfahrene Projekt erfolgreich zuende.

Auch die Geschichte vom ersten XP-Praxiseinsatz beginnt mit einem schiffbrüchig gewordenem Großprojekt: 1996 wurde Kent Beck, einer der XP-Väter, vom Autohersteller Chrysler um Unterstützung gebeten, da die Neukonstruktion des hauseigenen Gehaltsabrechnungssystems auch nach mehreren Jahren intensiver Arbeit nicht spürbar vorankam. Beck verordnete den Autobauern einen kompletten Neustart, und bereits nach drei Wochen konnte er ein System vorweisen, das wenigstens in der Lage war, einen Lohnscheck auszudrucken. Es wird erzählt, dieser Scheck hänge heute noch eingerahmt in irgendeinem Chrysler-Büro.

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Trotz steigenden Interesses aufseiten der Entwickler und obwohl die althergebrachte Form des Software-Baus „schließlich nachweislich nicht funktioniert“, wie Westphal behauptet, stößt der flexible und hierarchiearme Ansatz der Extreme Programmer immer wieder auf Skepsis. Und zwar ausgerechnet dort, wo das meiste Geld durch erfolglose Software-Projekte verbrannt wird – bei Großunternehmen und öffentlichen Auftraggebern.

Das gescheiterte Polizeisystem INPOLneu oder das aktuelle Lkw-Maut-Debakel bildeten nur die Spitze eines Eisbergs dokumentierten Scheiterns. „Nehmen Sie die Banken“, sagt Westphal, „die müssen schnell reagieren und stehen unter großem Konkurrenzdruck. Die wären geradezu prädestiniert für XP. Aber ausgerechnet dort ist man momentan relativ weit weg von neuem Denken.“

Ein geflügeltes Wort unter Entwicklern besagt, es sei noch nie jemand gefeuert worden, weil er IBM beauftragt hat. „Manche von uns meinen“, sagt Westphal, „dass wohl noch eine ganze Management-Generation wegsterben muss, bevor XP auf breiter Ebene akzeptiert wird.“

 
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