Schrecklich, wenn es ein erzwungenes ist. Wenn du all das verlässt, was zu dir gehört, verlässt du fast dich selbst. Aber die Dinge können auch eine solche Wendung nehmen, dass du von hier gern verschwinden würdest, aus dem Käfig, wo dich Gefahren umringen und du dich angesichts der Bedrängnis wie ein Krüppel fühlst. Schrecklich, wenn es dann verboten ist. Aus irgendeinem unwägbaren Grund aber bleibst du. Und vielleicht überlebst du sogar. Dann hast du Recht gehabt. Doch es kann auch sein, dass du nicht überlebst. Und aus unwägbarem Grund hast du vielleicht trotzdem Recht gehabt.

Vielen Emigranten blieb zum Abwägen nicht viel Zeit. Ihr Bleiben, das ahnten sie, würde ihren Tod bedeuten. Das war die Aussicht der Juden in Hitlers Europa. Sentimentales Festhalten an der Heimat erwies sich im Allgemeinen als Selbstmord. Und eben nur demjenigen, der lebensgefährlich bedroht wäre, gestand der gestrenge Solschenizyn ein moralisches Recht zur Emigration zu.

Ich war der Meinung, dass jedermann ein Recht dazu besitzt. Mich selbst allerdings ermächtigte ich zu diesem Schritt nicht. Ein Schriftsteller wird an jedem Ort der Welt schreiben. Sprache funktioniert ähnlich wie Sexualität.

Meisterwerke sind auch in sibirischen Holzhütten, Lagerbaracken, auf Gefängnispritschen oder während der Bombardierung unter einem Güterwaggon entstanden. Der großen Begabung kann keine Falle etwas anhaben, das mittelmäßige Talent dagegen verfängt sich darin.

Ein Buchtitel von Albert Camus: Das Exil und das Reich. Dies die beiden Pole.

Ich begreife diese Dualität - zugegeben willkürlich - als ständig anwesend.

Stets bist du ein Ausgestoßener, und immer umgibt dich dein Reich. Selbst im Krankenhausbett.