die zeit: Frau Huppert, weshalb hassen Sie Künstler?

Isabelle Huppert: Ich hasse nur die Menschen, die von sich selbst als Künstlern reden. Das habe ich damals in Cannes gesagt, als sie mir gerade mächtig auf die Nerven gingen.

zeit: Weshalb?

Huppert: Ich fand es schon immer merkwürdig, sich auf diese Weise zu definieren. Da schwingt ein pseudoromantisches Selbstbild mit: der Künstler als Mensch, der ein ganz anderes Leben führt und sich von den anderen abhebt.

Vor allem bei Schauspielern und Regisseuren scheint mir das albern. In meiner Vorstellung ist ein Künstler eher ein Maler oder ein Komponist, jedenfalls jemand, der bei dem, was er erschafft, einsam ist. In unserem Beruf kranken diejenigen, die sich Künstler nennen, meist an Selbstüberschätzung und Dünkel. Ohnehin sind Menschen, die ständig von ihrer Kunst und Kreativität reden, in den seltensten Fällen kreativ.

zeit: Sehen Sie Ihre Lieblingsregisseure als Künstler?

Huppert: Claude Chabrol oder Michael Haneke würden sich nie so bezeichnen.