Ich glaube, dass es schon noch PCs geben wird, wie wir sie heute kennen – so wie wir heute ja auch noch Füllfederhalter kaufen können. Ich denke aber, dass die meisten persönlichen Computer ganz anders aussehen werden und wir sie gar nicht als Computer wiedererkennen würden. Sie werden daherkommen wie futuristische Handys oder sogar ganz aus unserem Blickfeld verschwinden – integriert in Gegenstände und Kleidung, oder sie werden virtuell im Internet vorhanden sein. Leute, die noch viel schreiben, etwa im Büro, werden weiterhin einen größeren Bildschirm haben wollen und eine Tastatur. Aber um Musik herunterzuladen, Spiele zu spielen, E-Mails zu versenden, im Internet zu surfen – dazu benötigt man keinen vollwertigen PC. Ob man viele kleine spezialisierte Geräte haben wird und damit glücklich wird oder ein Universalgerät, das ist nicht vorhersagbar – vermutlich wird der Markt beides hergeben, und die Leute werden sich entscheiden. Klar aber ist, dass der Mini-PC der Zukunft kaum noch Kabelanschlüsse benötigt, sondern mit seiner Umgebung über Funk kommuniziert, und dass er ständig online mit dem Internet verbunden ist. Damit man ihn nicht verlieren kann, wird er vielleicht sogar ein Ortungssystem eingebaut haben.

Die Elektronik eines PCs braucht immer weniger Platz. Dominieren werden daher die Ein- und Ausgabegeräte, und da zeichnet es sich ab, dass man nicht für alles eine Tastatur und einen Bildschirm benötigt, sondern dass man dafür langfristig andere Möglichkeiten nutzt – zum Beispiel Sprachsteuerung, Minikameras zur Erkennung einfacher Gesten oder sogar Laserbrillen, die Bilder und Texte direkt auf die Netzhaut des Auges projizieren. Kleine, handyartige Geräte könnten ihre Ausgabe mit neuen Hochleistungs-LEDs und Mikrospiegeln auch einfach an die Wand werfen oder auf ein Blatt Papier. Möglicherweise sieht mein zukünftiger Computer auf den ersten Blick aber auch so unscheinbar aus wie eine Schreibtischunterlage, auf der ich mit einem Stift schreibe, in dem die ganze Rechenpower steckt – nur dass die Schreibfläche mit leuchtenden Molekülen überzogen ist und gleichzeitig als Ein- und Ausgabemedium fungiert.

Bis man zusammenrollbare Displays mit digitalisierenden Schreibstiften wirklich im Laden um die Ecke kaufen kann, bis eine Zeitung nur noch aus einem papierähnlichen Blatt besteht, das alle Seiten anzeigen kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen – da wage ich nicht vorherzusagen, wann das kommen wird. Dennoch: Der PC der Zukunft wird mit dem heutigen vermutlich so viel oder so wenig gemein haben wie ein schnuckeliger MP3-Player mit einem alten Trichtergrammofon. Und vielleicht nennen wir ihn dann nicht einmal mehr PC.

Friedemann Mattern, Institut für Pervasive Computing der ETH Zürich