2010 Werden wir Gedanken lesen können?Seite 2/2
zeit: Welche „einfachen Gedanken“ wollen Sie auf diese Weise wiedererkennen?
Birbaumer: Als „einfach“ bezeichne ich alle wiederholbaren Gedanken, die jedes Mal auf dieselbe Weise ablaufen. Zum Beispiel: Ich gehe dorthin. Ich habe Hunger. Mir ist kalt.
zeit: Aber komplexere Gedanken wie zum Beispiel „Ich liebe die Grübchen in den Wangen meiner Freundin“ werden Sie doch auf diese Weise nie entschlüsseln können.
Birbaumer: Warum nicht? Das Prinzip wäre nicht sehr viel anders. Das Problem mit solchen Gedanken ist nur, dass sie in der Tiefe jener Hirnregionen angesiedelt sind, die für Gefühle zuständig sind, etwa im limbischen System. Sie sind also gewissermaßen anatomisch weiter entfernt. Aber wenn wir die „systemische Hirnforschung“ gezielt fördern, sollten wir in nicht allzu langer Zeit auch solche Gedanken entschlüsseln können.
Niels Birbaumer, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltens-Neurobiologie der Universität Tübingen
- Datum 31.12.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 31.12.2003 Nr.2
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