Akademiker Flucht in die PromotionSeite 2/2

Doch Absolventen, die eine Absage nach der anderen kassiert haben, beschäftigen andere Fragen. Nach dem zehnten unbezahlten Praktikum geht es erstens wirklich ums Geld. Und zweitens darum, nicht aufzugeben. Da kann ein Promotionsstipendium nicht nur finanziellen Halt bieten. „Die Menschen haben ein Anrecht auf eine Perspektive, und die kann eine Promotion bieten“, sagt Karl Bosshard von Kienbaum. Er rät Absolventen in der gegenwärtigen Krise auch deshalb zu einer Doktorarbeit, weil es für junge Leute wichtig sei, eine Beschäftigung zu haben, mit der sie sich identifizieren können. Für einige Absolventen sei es sogar ein Glücksfall, dass die wirtschaftliche Lage im Moment so schlecht ist. „Weil sie das Potenzial dazu haben, wissenschaftlich Gutes zu leisten, und das nicht machen würden, wenn sie wie im Jahr 2000 von einem großen Konzern oder einer Beratungsgesellschaft weggekauft würden.“ Allzu gemütlich darf man es sich beim Überwintern an der Uni allerdings nicht machen: Mit 28 bis 30 Jahren solle das Projekt Promotion abgeschlossen sein, rät der Berater.

Die beste Entscheidung des Lebens

Christian Thierfelder ist jedenfalls froh, dass er sich nach dem Diplom für die Doktorarbeit entschieden hat – wenn auch nur, weil ihm damals nichts anderes übrig blieb. Dank der finanziellen Hilfe des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und der Eiselen-Stiftung aus Ulm konnte der Agrarwissenschaftler zweieinhalb Jahre Feldforschung in Kolumbien betreiben. Die Doktorarbeit hat ihm so auch zu Auslandserfahrung und Spanischkenntnissen verholfen. Die Promotion sei die beste Entscheidung seines Lebens gewesen, sagt er heute. Nicht wegen des Titels, der jetzt vor dem Namen steht. „Das Wichtigste war die Erfahrung, in einer begrenzten Zeit ein Thema selbstständig zu bearbeiten und die Energie aufzubringen, das durchzuziehen, auch wenn es mal schwierig wird.“ Und obwohl Thierfelder am Anfang mit der Doktorarbeit einfach nur die eigene Existenz sichern wollte, ist aus ihm ein begeisterter Forscher geworden. Im kommenden Jahr wird er als Mitglied eines internationalen Teams das nächste Projekt in Angriff nehmen: die „Verbesserung der Annahme von Minimalbodenverarbeitung“ in Zimbabwe.

 
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