die zeit: Professor Meadows, seit Sie 1972 Ihr Buch über die Grenzen des Wachstums veröffentlicht haben, gelten Sie als Apostel des Nullwachstums. Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle?

Dennis L. Meadows: Dieses Etikett ist mir und den anderen Autoren des Buches zu Unrecht angehängt worden. Wir haben damals geschrieben, dass eine Volkswirtschaft in mancher Hinsicht fast unbegrenzt wachsen kann – in anderer Hinsicht aber nicht. Dem Energie- und Rohstoffverbrauch setzt die Umwelt nun einmal Grenzen. Wenn Sie mir also unbedingt ein Etikett verpassen wollen, nennen Sie mich Apostel des qualitativen Wachstums. Oder Gegner eines stupiden Wachstums.

zeit: Sie haben die Menschheit mit der Botschaft konfrontiert, dass Wachstum ins Verderben führt.

Meadows: Nein, nein, wir haben etwas anderes getan. Wir haben mit unseren Computermodellen rund ein Dutzend möglicher Szenarien für die nächsten hundert Jahre entwickelt. Manche davon führen zum globalen Kollaps, andere nicht. Wir haben ganz bewusst nicht prognostiziert, wie sich die Welt tatsächlich entwickeln wird. Im Übrigen zeigten selbst unsere negativsten Szenarien, dass Wachstum bis in die frühen Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts möglich ist. Wachstumsgrenzen in Folge der Verknappung von Rohstoffen machen sich nach unseren Modellen erst vom Jahr 2030 an bemerkbar.

zeit: Dass viele Rohstoffe, einschließlich des Öls, heute billiger als vor 30 Jahren sind, irritiert Sie nicht?

Meadows: Immerhin steigen die Öl- und Gaspreise doch langsam. Wir haben aber ohnehin nie geglaubt, dass Preise gute Indikatoren für die Verfügbarkeit von Rohstoffen sind. Preise werden politisch gemacht. Regierungen verzerren sie durch Subventionen oder Steuern; die physische Verfügbarkeit eines Rohstoffes ändern sie damit nicht. Benzin zum Beispiel ist in den Vereinigten Staaten viel billiger als in Europa. Wollen Sie daraus etwa die Schlussfolgerung ziehen, Benzin sei in den USA reichlicher vorhanden als in Europa? Natürlich nicht. Starren Sie also nicht so sehr auf die Preise. Tatsächlich sind Rohstoffe in den vergangenen 30 Jahren knapper geworden. Wir brauchen heute mehr Energie und Kapital, um sie zu entdecken, auszugraben und zu verarbeiten.

zeit: Trudelt die Menschheit ihrem Ruin entgegen?