Eines ist, trotz aller Fortschritte der Medizin, noch immer sicher: Um sich fortzupflanzen, braucht die Frau einen Mann und der Mann eine Frau. Da homosexuellen Paaren ein Partner des anderen Geschlechts fehlt, müssen sie sich etwas einfallen lassen. Lesbische Paare suchen, wenn sie keinen passenden Samenspender in ihrem Bekanntenkreis finden, den Erzeuger ihres Wunschkindes oft per Kleinanzeige.

Das ist zwar nicht verboten, aber oft peinlich und medizinisch nicht ungefährlich: Keine Frau kann darauf vertrauen, dass die Männer, die sich melden, gesund sind. Diese Sicherheit kann nur eine Samenbank bieten, die ihre Spender kontrolliert. Doch der Besuch eines reproduktionsmedizinischen Zentrums bleibt lesbischen Paaren hierzulande in der Regel (noch) verwehrt.

Weil man sich 1989, als das Embryonenschutzgesetz beraten wurde, nicht einigen konnte, wie Samenspenden zu behandeln seien, beließen die Parteien die so genannte heterologe Insemination im gesetzlichen Niemandsland. Deshalb haben Mediziner, die lesbischen Frauen zu Samenspenden verhelfen könnten, Angst, später vom Kind oder von der Mutter auf Unterhalt verklagt zu werden. Deutsche Fortpflanzungsmediziner vermitteln geeignete Spender daher nur an verheiratete Frauen. In Holland, Belgien, Dänemark und auch Spanien dagegen zählen Samenbanken schon seit vielen Jahren auch lesbische Paare zu ihren Kundinnen. Das hat zu regem Fortpflanzungstourismus lesbischer Paare aus Deutschland ins Ausland geführt.

Auch per Post können Paare zu einer Spermaspende kommen. Kundinnen der Cryobank in Fairfax, Virginia, können ihren Wunschspender nach Merkmalen von Universitätsabschluss bis Augenfarbe im Internet suchen und sein Sperma per E-Mail bestellen. Ähnliche Dienste bietet seit einem Jahr eine Versand-Agentur namens Man-not-included in London an. Im Sommer schreckte die Firma Kirche und Politiker in Bayern mit der Ankündigung auf, Spermien auch schon bald von einer Münchner Filiale aus zu verschicken.

In Zukunft jedoch könnte es für lesbische Paare auch in Deutschland einfacher werden, ein Kind zu bekommen. Denn seit kurzem zeigen sich einige Samenbanken hierzulande offener gegenüber ihren Anfragen. Das Kindschaftsrecht wurde reformiert, es verleiht den Samenbanken und Spendern nun eine größere Rechtssicherheit.

Schwulen Paaren, die sich ein leibliches Kind wünschen, fehlt es nicht nur an einer Eizelle, sondern auch an einer Gebärmutter. Beides steht ihnen gegen Geld jedoch nur in den USA zur Verfügung. In fast allen Ländern Europas ist die Leihmutterschaft verboten. Nur England gestattet sie, wenn auch unter strengen Auflagen. Einem deutschen Männerpaar bleibt nur, sich mit einem lesbischen Paar zusammenzutun – oder sich um ein fremdes Kind zu bemühen. Da die gemeinsame Adoption bislang nicht erlaubt ist, kann nur einer der Partner der Adoptionsvater sein. Doch die Chancen, ein Kind in Deutschland vermittelt zu bekommen, sind für Schwule angesichts der starken Nachfrage von Ehepaaren ohnehin äußerst gering. Am aussichtsreichsten ist für schwule Paare die Pflegschaft. Hier zeigen sich die Behörden seit geraumer Zeit aufgeschlossen: In Berlin zum Beispiel gibt es ein gutes Dutzend schwuler Pflegeeltern.