Am 1. Dezember 2003 wurde in Genf die so genannte Genfer Vereinbarung vorgestellt. Unter der Schirmherrschaft der Schweizer Außenministerin unterbreiteten hochrangige Politiker der israelischen Opposition unter Leitung des ehemaligen Justizministers Yossi Beilin gemeinsam mit Spitzenpolitikern der palästinensischen Autonomiebehörde unter Leitung von Yasser Abed Rabbo einem hochkarätigen internationalen Publikum einen detaillierten, im Verlauf von drei Jahren ausgehandelten Friedensentwurf.

Einige der Unterhändler der inoffiziellen Genfer Vereinbarung hatten bereits im Jahr 2000, damals noch als Minister, offiziell miteinander verhandelt. Auch nachdem im Sommer 2000 das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem Vorsitzenden der palästinensischen Autonomiebehörde Jassir Arafat in Camp David gescheitert war, wurde weiter verhandelt, nun in der ägyptischen Grenzstadt Taba.

Auf Seiten der israelischen Unterhändler war der damalige Justizminister Jossi Beilin für seine Beharrlichkeit bekannt, seitens der Palästinenser der Informationsminister Jasser Abed Rabbo. Jeder wusste, dass die Zeit, um eine Vereinbarung zu erzielen, äußerst knapp war. Die Amtszeit des amerikanischen Präsidenten war beinahe abgelaufen und auch Ehud Barak, der vorgezogene Wahlen ausgerufen hatte, schien, wenn überhaupt, nur geringe Chancen zu haben, im Amt zu bleiben.

Tatsächlich scheiterten auch diese Verhandlungen, es kam zu keinem Friedensvertrag. Barak verlor daraufhin im Februar 2001 die Wahlen; die neue Bush-Regierung in Amerika hatte offensichtlich kein weiteres Interesse am Friedensprozess im Nahen Osten. Übrig blieben die Intifada, die Terroranschläge und vor allem die vollkommene Zerstörung des geringen Vertrauens in einen Friedensprozess, das Ende des Jahres 2000 noch vorhanden war.

Nicht für alle. Yossi Beilin und Yasser Abed Rabbo gaben ihren Glauben an ein Chance für den Frieden nicht auf. Ihrer Ansicht nach hatten sie den Abschluss eines Vertrages in Taba nur deshalb verpasst, weil ihnen zu wenig Zeit zur Verfügung gestanden hatte. Sie glaubten, nur eine Haaresbreite von einem echten und dauerhaften Friedensvertrag entfernt gewesen zu sein. Ihr Gedanke war so einfach wie einleuchtend: Obwohl die israelischen Unterhändler der neuen Regierung nicht mehr angehörten und obwohl die Amerikaner aus dem Spiel ausgeschieden waren, sei es interessant zu prüfen, ob nicht zumindest theoretisch ein für beide Seiten annehmbarer Vertrag möglich gewesen wäre, hätten die Verhandler mehr Zeit gehabt.

Es folgten oft unterbrochene geheime Verhandlungen, die in Wirklichkeit nicht viel mehr als eine akademische Übung waren. Warum musste sie im Geheimen durchgeführt werden? Unter anderem, um zu verhindern, dass sie belächelt und/oder verteufelt wurde. Die israelische Bevölkerung ging nämlich seit dem Ausbruch der zweiten Intifada Ende 2000 davon aus, dass alle Friedensverhandlungen mit den Palästinensern eine Täuschung waren. Wer immer sich seither bemühte, den Israelis Friedensideen zu unterbreiten, wurde als naiver Träumer oder gar als Heuchler betrachtet.

In den Jahren 2001, 2002 und bis nach dem Irak-Krieg 2003 tauchten die Amerikaner immer wieder mit verschiedenen Verhandlungsplänen für den Nahen Osten auf. Es gab einen so genannten Tenet-Plan, einen Mitchell-Plan und verschiedene Äußerungen des amerikanischen Präsidenten, wie der Nahostkonflikt beizulegen wäre, bis hin zur so genannten Roadmap. Diese war ursprünglich von den Europäern entworfen, als gemeinsamer Plan der Europäer, Russen, UN und Amerikaner vorgestellt und letzten Endes als amerikanischer Plan den Kontrahenten im Nahen Osten unterbreitet und aufgezwungen worden.

Im Verlauf dieser Jahre hat sich aber die Situation auf beiden Seiten nur noch ununterbrochen verschlechtert. Das Elend der Palästinenser ist unbeschreiblich geworden. Bei den Israelis wiederum handelt es sich nicht um echtes alltägliches Elend. Die Sicherheitslage aber, die trotz der Versprechen der Behördern nicht besser, sondern ganz im Gegenteil zunehmend düster geworden ist, wie auch die Wirtschaftslage, deren Talfahrt kein Ende zu nehmen schien, brachte die Bevölkerung an einen Punkt, an dem die allgemeine Resignation, die seit der Enttäuschung des Jahres 2000 vorherrschte, allmählich durch Ungeduld abgelöst wurde.