interview Dschungelfieber
Thomas Löscher, 53, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig-Maximilian-Universität München, über Malaria-Prophylaxe auf Tropenreisen
Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) bemüht sich Ihr Institut seit Jahren, Ärzte und Patienten besser über Malaria aufzuklären. Mit welchem Erfolg?
Die Aufmerksamkeit gegenüber Malaria hat erheblich zugenommen, sowohl bei den Ärzten als auch bei Tropenreisenden. Die Zeit vom Ausbruch der Krankheit bis zur Stellung der Diagnose ist viel kürzer als noch vor einigen Jahren, die Sterblichkeitsrate dadurch von bis zu drei Prozent auf unter ein Prozent gesunken. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 1000 Menschen. 2001 gab es insgesamt acht Todesfälle, im Jahr 2002 nur noch drei. Davor lag die Zahl bei zirka 20 pro Jahr.
Tropenärzte empfehlen immer häufiger, auf medikamentöse Prophylaxe zu verzichten und ausschließlich Notfallmedizin einzupacken. Wann und wo macht das Sinn?
Unbedingt angeraten ist medikamentöse Vorbeugung in Gebieten mit hohem Malaria-Risiko. Dazu gehören das tropische Afrika südlich der Sahara, Teile des Amazonasbeckens in Brasilien, Nordindien oberhalb der Linie Goa–Madras, Südnepal, Bangladesch, einige Gebiete in Thailand, Laos, Kambodscha und Myanmar sowie Indonesien östlich von Bali, Neuguinea und die Solomon-Inseln. In allen anderen Ländern empfehlen wir, ein so genanntes Stand-by-Medikament mitzunehmen, das im Verdachtsfall einer Erkrankung eingenommen wird. Das hat den Vorteil, dass sich der Reisende die unerwünschten Nebenwirkungen einer Prophylaxe erspart. Auf jeden Fall sollte man sich vor Moskitostichen schützen. Also lange, helle Kleidung anziehen, ein wirkungsvolles Antimückenmittel auftragen und in moskitosicheren Räumen oder unter dem Mückennetz schlafen.
Das Malaria-Präparat Lariam ist in die Schlagzeilen geraten, weil es starke Depressionen auslösen kann. In den USA soll es sogar einige Patienten in den Selbstmord getrieben haben. Kann man das Medikament noch gewissenhaft verschreiben?
Ob es in den beschriebenen Fällen einen Zusammenhang zur Einnahme von Lariam gibt, ist nicht erwiesen. Das Mittel bietet in den meisten Malaria-Gebieten nach wie vor guten Schutz, Nebenwirkungen sind nicht häufiger als bei anderen Präparaten. Dennoch können gerade bei vorbelasteten Menschen depressive Verstimmungen auftreten. Diese sollten Lariam nicht zur Vorbeugung verwenden. Wer das Mittel noch nie eingenommen hat, der beginnt am besten zwei bis drei Wochen vor der Reise, damit mögliche Nebenwirkungen noch zu Hause auftreten.
Mit Riamet und Malarone sind seit einiger Zeit zwei neue Malaria-Medikamente auf dem Markt. Sind das Alternativen?
Ganz bestimmt, gerade für Patienten mit Lariam-Unverträglichkeit. Der große Vorteil von Riamet gegenüber allen anderen Mitteln ist, dass es bislang praktisch keine Resistenzen gibt. Außerdem sind die Nebenwirkungen sehr gering. Allerdings eignet sich das Mittel ausschließlich zur Therapie. Malarone kann sowohl für die Prophylaxe als auch zur Behandlung einer akuten Malaria eingesetzt werden. Auch hier gibt es noch relativ wenige Resistenzen. In Einzelfällen kann es aber zu Nebenwirkungen wie allergischen Hautreaktionen kommen. Außerdem ist das Mittel bei prophylaktischer Behandlung etwa doppelt so teuer wie Lariam.
Und was ist mit der einst häufig verschriebenen Kombination von Resochin und Paludrine?
Die Wirkung beider Präparate ist wegen der zunehmenden Resistenzen in vielen Ländern nicht mehr garantiert. Wir empfehlen in der Regel, auf ein anderes Präparat umzusteigen. Vor jeder Tropenreise sollten sich Patienten aber auf jeden Fall intensiv vom Facharzt beraten lassen, um herauszufinden, welche Medikation für sie die beste ist.
Welche Schutzmaßnahmen sind in den Tropen außer einer Malaria-Prophylaxe noch unerlässlich?
Egal, ob im Dschungel oder beim Heimaturlaub, eine Impfung gegen Polio, Tetanus und Diphterie ist auf jeden Fall Pflicht. Gleiches gilt für Hepatitis A und B. Asienreisenden empfehlen wir derzeit außerdem eine Grippe-Impfung. Nicht nur, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, sondern auch, um bei der Ein- und Ausreise Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Wer mit Fieber und Husten aufgehalten wird, landet dieser Tage schnell in Quarantäne.
Interview: Fabian von Poser
- Datum 08.01.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 08.01.2004 Nr.3
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