Der ehemalige Schuldirektor eines mecklenburgischen Dorfes betritt die Praxis des Landarztes. Früh ist es am Morgen, die Sonne scheint bereits, da geht die Tür auf, ein vertrauter Händedruck. "Na?", fragt der Landarzt.

"Ich habe", der Pensionär zieht das Hemd hoch und fasst sich die rechte Seite, "hier was drin." Er sei gefallen, auf einen Zaun. Beim Kollegen sei er schon gewesen. Der habe nichts gefunden, trotz Ultraschall! Vergrößerte Leber, bisschen Fettzellen. "Die sagen, es ist nichts!"

"Aber ich habe hier was drin."

Der Patient macht sich frei, der Landarzt steht auf. "Können Sie schlafen?" – "Sehr gut." – "Wo tut’s genau weh?" – "Verdammte Schmerzen, hier…"

Der Arzt tastet ihn ab, drückt auf die Rippen. "Ich kann nichts erkennen. Wir schicken Sie zum Röntgen, dann sind Sie beruhigt." Der Patient atmet tief aus: "Die Leber ist richtig weich, da ist was." – "Für mich ist da nichts." – "Doch doch, die Leber, da ist was…"

"Die Rippenprellung müssen Sie jetzt mal ein paar Tage durchleiden." – "Und im Herzen sticht’s auch wieder…" –"Blut abnehmen, morgen früh um acht, wegen Zucker. Sie kennen ja das Spiel…"

"Ja ja, wer geht schon gern zum Arzt, Herr Doktor." Der pensionierte Schuldirektor verlässt das Zimmer und flüstert, der Herr Doktor mache seine Sache schon gut, aber so richtig trauen könne er ihm ja nicht, deswegen müsse er noch mal zum Ultraschall, wegen der Seite, und zum Kollegen, wegen des Herzens.