Flüchtlinge Odyssee nach SchengenlandSeite 4/4

„Natürlich sind nicht alle Schwindler“, räumt ein anderer Konsularbeamte ein, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Er erzählt von der energischen Geschäftsfrau, die bisweilen von Kinshasa nach Frankfurt reist und mit zehn Gebrauchtautos zurückkehrt. „Da legen oft ein Dutzend Leute zusammen, um ein Flugticket zu finanzieren und einen Einkäufer nach Europa zu schicken.“

Freier Handel, gut und schön, allerdings strengstens reguliert. Aber freier Personenverkehr? So weit soll die Globalisierung dann doch nicht gehen! Dabei stimuliert gerade der Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Informationen die globalen Migrationsströme. Diese führen ihrerseits zu erstaunlichen Transferleistungen. Im Jahre 2001 wurden die Rücküberweisungen von legalen und illegalen Migranten in die Entwicklungsländer auf 60 Milliarden Dollar geschätzt – das übersteigt die Entwicklungshilfe des Nordens um 20 Prozent.

So besehen wäre eine liberalere Einwanderungspraxis der EU auch ein Instrument, um die extreme Wohlstandskluft zwischen Reichen und Armen zu schmälern. Aber die Europäer tun genau das Gegenteil. Sie verstärken die Wälle ihrer Festung und untergraben durch Handelsbarrieren, Zollschranken und Agrarsubventionen die Zukunftschancen des Südens.

In Afrika leben 700 Millionen Menschen, die Mehrzahl ist jung und arm. Europa ist wohlhabend und überaltert, seine Bevölkerung schrumpft dramatisch. „Warum wollt ihr uns nicht?“, fragt ein 20-jähriger Mann, der am Viehgatter in Lagos ansteht. Er hat Abitur, er träumt von einem Medizinstudium in Berlin. Er will nicht auf einem Totenschiff ankommen. Und er will nicht heimkehren wie jener Flüchtling aus dem Sudan, der vor vier Jahren auf dem Flug LH 588 von Frankfurt nach Khartum starb. BGS-Leute hatten den widerspenstigen „Schübling“ erstickt.

 
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