Sternzeichenfrage Ich habe einen Traum

Franka Potente, 29, begann als 20-Jährige ein Schauspielstudium an der Otto-Falckenberg-Schule in München und besuchte später das Lee Strasberg Theater Institute in New York. Mit »Lola rennt« gewann sie den Deutschen Filmpreis. Ihre Hauptrollen in den Hollywood-Filmen »Blow« und »The Bourne Indentity« spielte sie gemeinsam mit Johnny Depp und Matt Damon. Derzeit ist sie in dem deutschen Film Blueprint zu sehen, eine Fortsetzung von »The Bourne Indentity« startet demnächst. Franka Potente, die in diesem Jahr 30 wird, träumt von einer Geburtstagsparty mit Star-Besetzung

»Mit Toten zu feiern ist eine knifflige Sache. Einerseits wissen sie alles besser (›Hättet ihr mal auf mich gehört!‹), andererseits grämen sie sich über ihre eigenen Fehler (›Ich hätte es besser wissen müssen‹)«

Im Buch der Sternzeichen heißt es, man brauche einen Kompass, um sicher durch die Seelenlandschaft der im Tierkreiszeichen Krebs geborenen Frauen zu reisen. Navigiere man nicht klug, wisse man nie, woran man bei ihr sei. Das ist allemal klug: Je versierter der Steuermann ist, umso geringer die Gefahr, dass er (bei mir) auf Grund läuft und ertrinkt. Auch im Tierreich ist der Krebs eine Spezies, die nicht leicht zu fangen und schon gar nicht leicht anzugreifen ist. Ich vermute, dass ein Krebs im Wasser davon träumt, dass seine Scheren jeden Feind abzuweisen vermögen. Ich dagegen mache es mir erst einmal bequem, bevor ich meinen Traum erzähle. Einen Schritt vor, zwei zurück, sagt man über Krebse. Ich lasse mir gerne Zeit.

Ich liege auf einem seidenen Diwan, die Gardinen schaukeln sanft im Wind, den ich durch das Fenster zu mir hereinlasse. »Was ist meine Richtung?«, denke ich. »Wohin dreht sich mein eigener Kompass in den nächsten Jahren?« Mein Stift malt Zahlen aufs Papier, dann Kreise, dann Buchstaben, und als er damit fertig ist, will ich grünen Tee.

Ich liege auf dem Rücken, rauche eine Zigarette und beginne zu zählen. Ich ende bei der Zahl 29 und nähere mich einem magischen Datum. Dem 30. Geburtstag. Bevor ich beginne, Unruhe aufkommen zu lassen, lasse ich die letzten Monate Revue passieren: Ich habe in Los Angeles gelebt, in einem Appartement, gemeinsam mit anderen Frauen, und mich für die fremde Welt Kaliforniens geöffnet. Ich habe mich von meinem langjährigen Freund getrennt, hatte eine kurze, aber heftige neue Beziehung und stelle heute fest: Turbulenter und anstrengender als die vergangene Zeit kann die nahe Zukunft gar nicht werden. Ich werde also – trotz aller Unkenrufe – das Ende meines 30. Lebensjahres ausgelassen feiern und keinen Gedanken daran verschwenden, dass dieses Datum eine Zäsur sein könnte – wie einige Endzwanziger behaupten.

Ich ziehe meine Beine an den Körper, als wollte ich zu einer Kugel werden. Ich strecke sie wieder aus und überlege, ob diese Bewegungen vielleicht denen der Krebse ähneln, wenn sie auf der Flucht sind. Mir ist nach Leichtigkeit zumute, nach Fröhlichkeit, nach Ausgelassenheit – ich habe Lust zu feiern. Mich elektrisiert ein wahrhaft träumerischer Gedanke: Soll ich mit all jenen meinen 30. Geburtstag feiern, die genau an jenem Tag, dem 22.Juli, oder kurz davor unter dem gleichen Sternbild auch älter werden? Da ich träumen darf, stelle ich mir eine Gästeliste genau jener »Mitkrebse« zusammen – alles tolle Menschen, denke ich –, die ich gerne einmal um mich hätte.

Der 29. Februar dieses Jahres ist ein perfekter Tag, um zu besprechen, was an meinem Geburtstag passieren soll. Meine Berater sind Carlos Santana, Mireille Mathieu, Ernest Hemingway und Max Liebermann. Dieser Mix aus Toten und Lebenden erscheint mir ideal für meinen Traum.

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