Anderthalb Jahre nach dem Mord an 16 Menschen werden die Vorgänge vom 26. April 2002 im Erfurter Gutenberg-Gymnasium noch einmal untersucht. Gerade ist ein neues Buch über das Massaker und den anschließenden Polizeieinsatz erschienen - die Vorwürfe darin sind nicht neu, aber offenbar sah sich die Thüringer Landesregierung erst dadurch gezwungen, eine Untersuchungskommission einzusetzen.

War Robert Steinhäuser ein Einzeltäter, wie die offizielle Version des Tathergangs annimmt, oder hatte er damals doch einen Komplizen? Zahlreiche Zeugen hatten beharrlich von einem zweiten Bewaffneten gesprochen, den sie in dem verwinkelten Schulgebäude gesehen hätten, und damit in Erfurt immer wieder für neue Spekulationen gesorgt. Was daran ist, werden nun drei Richter und ein Staatsanwalt endlich klären müssen.

Die Kommission soll auch den dilettantischen Einsatz der Erfurter Polizei unter die Lupe nehmen. Angehörige hatten den Verdacht geäußert, dass zumindest ein Lehrer hätte gerettet werden können, wenn die Notärzte nicht durch eine Anweisung der Polizei vom Tatort fern gehalten worden wären.

Schließlich sorgte am Gutenberg-Gymnasium eine angebliche Zeugenaussage für Aufregung, nach der es vor der Tat einen Warnanruf in der Schule gegeben habe. Die Familie des Täters, aus welcher der Anruf gekommen sein soll, wies diese Behauptung inzwischen als "Lüge" zurück. Die Sekretärin, die ihn angeblich entgegengenommen hat, gehört zu den Opfern.