olympia Auf dem Olymp der VerlogenheitSeite 10/10

Auf dem Rückweg über den Grenzübergang San Ysidro, zwischen Tijuana und San Diego, fragen wir den amerikanischen Zöllner, ob es denn überhaupt verboten sei, anabolische Steroide aus Mexiko mitzubringen. „Aber sicher“, sagt er, ohne auch nur einen Moment lang unfreundlich zu werden, „wir konfiszieren die Substanzen und bestrafen die Schmuggler.“

Sind es viele?

„Jede Menge“, antwortet er und macht eine Bewegung, als setze er sich selbst eine Spritze, „Baseballspieler, Footballspieler, Leichtathleten – und es sind immer besonders viele vor den olympischen Spielen.“

Offensichtlich ist Santa Monica nicht wegen des ewig frühlingshaften Wetters zum Mekka der Athleten geworden, sondern wegen der ewig verfügbaren Dopingmittel. Dass aber das allzu Offensichtliche immer vertuscht wird, verrät eine letzte E-Mail, die Joe Douglas uns hinterhergeschickt hat. Sie enthält einen zwölfseitigen Aufsatz mit dem Titel Anabolic Athletes von Charlie Francis, jenem Coach des überführten Kanadiers Ben Johnson, dem, wie gesagt, Marion Jones die Zusammenarbeit aufgekündigt hat. Francis lässt in dieser Kurzen Geschichte der Drogen im Sport wissen, dass immer und zu allen Zeiten Aufputschmittel genommen worden seien. „Olympische Athleten haben, wie bereits 776 vor Christus festgehalten wurde, ihr Testosteron-Niveau erhöht, indem sie Schafshoden zu sich nahmen – eine wichtige Quelle von Testosteron.“

Über die Spiele von 2004 heißt es, dass sie endlich wieder dort angekommen seien, wo das olympische Ideal geboren wurde. Aber das ist sicher anders gemeint.

 
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