Der Ball ist rund, aber er rollt nicht. Stattdessen stiefelt ein Leichenzug aufs gar nicht grüne Spielfeld, sieben totenblasse Gestalten. Jetzt geht's los!, rufen sie und reden dann unentwegt von Werten und Moral, Stolz und Ehre, Perspektiven und Visionen, von großen Dingen, die gemeinsam zu vollbringen sind. Es geht um Fußball. Also um alles. Marc Beckers Wir im Finale - ein deutsches Requiem, jetzt uraufgeführt im Theaterhaus Jena, leitet in Form einer Reportage die Stimmen und Stimmungen aus Stadion, Kabine und Fan-Kurve, von Trainern, Spielern und Kommentatoren brühwarm ins Publikum. Zwischen Brüllaffenrhetorik und Blutgrätschenballett, Rasenräsonnement und Spieltrieb stellt Becker die Frage nach der Wiederherstellung des Individuums im Kollektiv. Denn Fußball macht nicht nur lebensmüde Männer (und Frauen!) munter, er schlenzt dem Dasein auch noch eine Portion Sinn zu. Deutschland kickt: Der Ich-Jammer wird dann schnell zum Wir-Jubel, Verlierertypen fühlen sich als Sieger. Wie Fußball zu nationaler Eintracht verhilft oder zur Zwiesprache mit Gott zwingt, versucht Wir im Finale in der Regie von Christian von Treskow am deutschen Beispiel vorzudribbeln: unterhaltsam, aber ohne große Überraschungen. Jena im Januar.

Nix Fritz-Walter-Wetter. Aber die deutsche Mannschaft gewinnt dennoch das Endspiel. Man orgelt die Nationalhymne. Deutschland einig Fußballland. -

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