Ob die Aktienanleger voller Hoffnung kaufen oder in Panik verkaufen: Für die Platzhirsche unter den Börsenbetreibern ist das egal – Hauptsache, es wird gehandelt. So meldete die Deutsche Börse AG als Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse für das erste Halbjahr 2003, in dem die Kurse zeitweise auf Rekordtief waren, einen Gewinn vor Steuern und Zinsaufwendungen von 241 Millionen Euro – das entspricht bei einem Umsatz von 702 Millionen Euro einer Marge von 34 Prozent.

Solche Zahlen und der Marktanteil der Frankfurter Börse im deutschen Aktienhandel von mehr als 90 Prozent wecken Begehrlichkeiten. Doch bisher sind alle Versuche gescheitert, den Frankfurter Riesen ins Wanken zu bringen.

Drei Jahre ist es her, dass der Stockholmer Börsenbetreiber OM mit der Handelsplattform Jiway gleich ganz Europa erobern wollte. Über ein Internet-Handelsprogramm sollten Deutschland, Großbritannien, Schweden und weitere europäische Länder vernetzt werden, um in Konkurrenz zu den nationalen Börsen einen günstigen grenzüberschreitenden Aktienhandel zu ermöglichen. "Jiway wird das Verhalten der Privatanleger ändern", jubelte Vorstandschef Lynton Jones damals. Doch die Anleger setzten weiterhin zum größten Teil auf die gewohnten Börsenplätze, und das 100-Millionen-Euro-Projekt überlebte nur zwei Jahre.

Eine noch kürzere Lebensdauer war dem Deutschland-Ableger der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq beschieden – obwohl der Zeitpunkt für den Start eigentlich günstig war: Pünktlich zum Ende der Börsenbaisse wurde im März der Handel in Kooperation mit der Börse Bremen/Berlin aufgenommen. Doch das mit dem Ziel von 10 bis 15 Prozent Marktanteil gestartete Experiment dauerte nicht einmal ein halbes Jahr. Am 29. August wurde die deutsche Nasdaq-Plattform geschlossen, nachdem sie dem Börsenplatz Frankfurt nur einen Promille-Anteil abjagen konnte.

Dass die ambitionierten Neulinge nicht Fuß fassen konnten, lag nicht nur daran, dass nur wenige Banken Lust hatten, parallel zur bereits bestehenden Anbindung an die etablierten deutschen Börsenplätze noch mehr finanziellen und technischen Aufwand für die Nutzung einer weiteren Plattform in Kauf zu nehmen. Zum Verhängnis wurde ihnen auch die Umsatzfalle: Nach guter Bankertradition empfehlen viele Berater ihren Kunden, ihre Aktien am Börsenplatz mit dem größten Umsatz zu ordern – und damit kommen kleinere Konkurrenten von vornherein kaum zum Zug.

Einen längeren Atem zeigten bislang die beiden Regionalbörsen Düsseldorf und München, die mit eigenen Privatanleger-Plattformen im bundesweiten Aktienhandel den Frankfurtern Paroli bieten wollen. In Düsseldorf ging Anfang 2002 das Quotrix-Handelssystem an den Start, wo Privatanleger ohne Zeitverzögerung Aktien handeln können. Allerdings brauchen auch hier die depotführenden Banken eine spezielle Software, und so können bis heute nur die Kunden der Discountbroker Fimatex, 1822 direct und S-Broker über Quotrix handeln.

Schnelleres Wachstum erhofft sich die Bayerische Börse in München bei ihrem Max-One-Handelsprogramm. Seit Mai können Privatanleger ihre Orders über das Münchner System abwickeln, ohne dass für die Depotbank ein technischer Aufwand entsteht. Durch den Verzicht auf Teilausführungen sollen Anleger gegenüber dem Frankfurter Xetra-System profitieren. So könne es vorkommen, dass bei Xetra ein Auftrag in mehreren Tranchen abgewickelt und dem Anleger dafür eine höhere Gebühren berechnet wird, rechnet die Münchner Börse auf ihrer Internet-Seite vor. Innerhalb bestimmter Größenordnungen garantiert Max-One die komplette Ausführung des Gesamtauftrags. Dieses Angebot zeigt offenbar Wirkung: Von Mai bis Oktober stieg der Aktienumsatz an der Münchner Börse um stattliche 272 Prozent.