Ein Riesenskandal brachte ihn ins Amt. Mit vielen kleineren und größeren Skandälchen bringt er sich nun selbst um den Posten. Wenn es in der Politik noch mit rechten Dingen zugeht, ist Florian Gerster, seit nur knapp zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur – früher Bundesanstalt – für Arbeit, nicht mehr zu halten.

Nicht alles, was in seinem Umkreis durch Indiskretionen täglich neu aufgedeckt wird, ist von Bedeutung. Doch hat der Sozialdemokrat drei entscheidende Fehler begangen: Er hat selbstherrlich teure Beraterverträge abgeschlossen, dem Parlament und der Öffentlichkeit – vorsichtig formuliert – nicht die volle Wahrheit gesagt und sich außerdem noch den Rückhalt bei zu vielen Genossen verscherzt. Sie nehmen ihm nicht nur arrogante Auftritte übel, sie beschuldigen ihn auch der "sozialen Kälte".

Für Gerhard Schröder und seinen Superminister Wolfgang Clement käme ein Sturz Gersters jedoch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Der Umbau der Mammutbehörde zu einer leistungsfähigen Agentur ist in vollem Gange. Zudem steht Gerster hinter den Arbeitsmarktreformen, die er teilweise sogar selbst angestoßen hat.

Für die Ablösung muss der Kanzler, der Gerster einst als seinen "besten Mann auf die Baustelle Arbeitsmarkt" geschickt hat, einen noch besseren präsentieren. Einen wie den Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke, einen Schröder-Vertrauten und Gewerkschafter – und geschickter und solider als Gerster. Weniger virtuos als dieser hoffentlich auch.