Ihrer romantischen Gewaltfaszination hat die indische Schriftstellerin Arundhati Roy schon öfter Ausdruck gegeben. Während des Irak-Kriegs pries sie den "erstaunlichen Kampfgeist vieler Iraker". Er beweise, über welche "enormen Reserven von Stolz und Würde" die "Armen, Geschlagenen und Erniedrigten" verfügten. Dass sie damit die bewaffneten Schergen Saddam Husseins mit der von ihnen geschundenen irakischen Bevölkerung verwechselte und "Stolz und Würde" mit der Bereitschaft zu blutiger Aufopferung gleichsetzte, hat ihrem Nimbus als moralische Stimme der Dritten Welt nicht geschadet.

Jetzt verkündete der Superstar der internationalen globalisierungskritischen Bewegung auf dem Weltsozialforum in Bombay, es genüge nicht mehr, über eine bessere Welt nur zu reden. Man müsse zum aktiven "Widerstand" übergehen. Roy schlug zwei US-Konzerne als Zielscheibe einer internationalen "Kampagne" vor und drohte: "Wir machen sie dicht." Natürlich will sie das nicht als Aufruf zur Gewalt verstanden wissen. Ihre aufpeitschende Rhetorik ist nebulös genug, um gegebenenfalls versichern zu können, man habe sie falsch verstanden. So wie es zahlreiche intellektuelle Brandstifter vor ihr taten, die glaubten, die höhere Moral einer kommenden besseren Welt auf ihrer Seite zu haben.

Aus der Geschichte des linken Terrorismus der siebziger und achtziger Jahre sollten die Globalisierungskritiker gelernt haben, wie verhängnisvoll das Kokettieren mit der "Gegengewalt" ist. Dass sie es in ihren Reihen zuließ, musste die damalige Linke mit einer bitteren Erfahrung bezahlen: Die Selbstermächtigung zur Militanz richtet auch ehrenwerteste Ideale zugrunde.