DIE ZEIT: Rund 10000 Dopingkontrollen werden jedes Jahr in Ihrem Institut durchgeführt. Haben Sie das Gefühl, dass Sie einen Kampf führen, den Sie gewinnen können?

Wilhelm Schänzer: Ich gehe davon aus, dass man diesen Kampf nicht gewinnen kann. Das wäre eine Illusion. Uns geht es um eine hohe Abschreckung, wir kämpfen darum, dass der eklatante Missbrauch nicht mehr möglich ist. Letzten Endes sollen Sportler ganz weit nach vorne kommen, auch wenn sie nicht dopen. Eine hundertprozentige Sauberkeit ist nicht zu erreichen, genauso könnte man sich wünschen, dass alle Menschen gut sind.

ZEIT: 50 Prozent der Topathleten weltweit sind gedopt – was halten Sie von dieser oft geäußerten Vermutung?

Schänzer: Das ist zu hoch gegriffen. Weltweit sind annähernd 1,5 Prozent der Dopingkontrollen positiv. Auch wenn sich die Einnahme von Wachstumshormonen noch nicht genau nachweisen lässt, es also sicher eine Dunkelziffer gibt – 50 Prozent sind es nicht.

Zeit: Kann man heute ein olympisches Finale über 100 Meter fair und anständig gewinnen?

Schänzer: Ein Sprinter, der dopt, kann bis zu zwei Zehntelsekunden rausholen, bei den Frauen sind es bis zu fünf Zehnteln. Wissenschaftliche Untersuchungen aus der DDR lassen diese Schlüsse zu. Ich dagegen meine, wer sich quält, kann diesen Fortschritt auch mit legalen Trainingsmethoden erreichen.

ZEIT: Beflügelt das neue Designerhormon THG noch mehr?