Das rechteckige Bassin ist mit blutrotem Wasser gefüllt. Darauf schwimmt ein kleines Schiff mit einem Foto als Segel. Es zeigt Hanadi Jaradat mit Lippenstift und Engelslächeln, jene Palästinenserin, die sich am 4. Oktober 2003 in einem Restaurant in Haifa in die Luft sprengte und dabei 22 Israelis mit in den Tod riss. Zuvor hatte sie sich noch an einen der Tische gesetzt und seelenruhig gespeist, den Bombengürtel um den Bauch.

Die Installation mit dem Namen Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit steht nicht in ihrer Heimatstadt Dschenin, sondern im Nationalmuseum in Stockholm, wo vorige Woche dem israelischen Botschafter beim Anblick der Kragen platzte. Auf ganz und gar undiplomatische Weise zog er den Stecker aus der Dose und warf eine der Leuchten ins Kunstwerk. Er unterband so zumindest ein paar Stunden lang, was er als "Verherrlichung" empfand. Seither bekommt er noch mehr Drohungen als bisher, und der Besitzer des Hauses, das die israelische Botschaft seit den fünfziger Jahren beherbergt, will den Mietvertrag nicht mehr verlängern.

Der Künstler Dror Feiler, ein gebürtiger Israeli, sieht die Dinge natürlich anders. Er habe die Tat der jungen Frau nicht rechtfertigen wollen, vielmehr wollte er auf ihr Motiv hinweisen, auf die israelische Besatzungspolitik. Sein Werk sei deshalb ein Beitrag für den Frieden. Die Gefühle der Opfer allerdings haben da keinen Raum. Und nichts scheint der Künstler davon wissen zu wollen, dass heute auch immer mehr Palästinenser die islamistischen Hintermänner als große Schuldige am Werk sehen.

Das muss er aber auch gar nicht, meinen viele schwedische Zeitungen: "Das ist ein Kunstwerk und kein politisches Manifest", schrieben sie. Prompt antworteten die Zeitungen in Israel mit der Frage, ob denn im Namen der Kunst und Meinungsfreiheit alles erlaubt sei. Müsse man nicht die Freiheit des Protests ebenso ernst nehmen wie die Freiheit der Kunst? Muslimische Selbstmordattentäter würden in vielen Ländern zuschlagen, aber die einzigen Installationen zu diesem Thema seien gegen Israel gerichtet, empörte sich der ehemalige Erziehungsminister Amnon Rubinstein. Die Kritik an Israel gehe einfach zu weit.

Weil aber Künstler dürfen, was Diplomaten nicht dürfen, wurden jetzt gleich noch zwei weitere Installationen à la Dror Feiler produziert. Ins Stockholmer Blutbecken wurde ein zweites Schiffchen gesetzt, diesmal aber mit dem Konferfei des Mörders der schwedischen Außenministerin Lindh. Und vor der schwedischen Botschaft in Tel Aviv stand am Montag eine mit rot gefärbtem Wasser gefüllte Babybadewanne, in der die Glieder von Stofftieren dümpelten.