Kindersitze Im Autositz fliegen
Bald wird es für Kleinkinder im Flugzeug mehr Sicherheit geben
Sicherheit wird an Bord groß geschrieben. Eigentlich. Vor jedem Start, vor jeder Landung gehen die Stewardessen durch die Reihen und prüfen, ob alle Passagiere ihren Gurt angelegt und das Handgepäck sicher verstaut haben. Doch Babys und Kleinkinder werden nur auf dem Schoß festgehalten. Im Ernstfall würden sie wie Geschosse durch die Kabine fliegen. Niemand kann ein Kind schützen, das völlig unvermittelt mit dem 16fachen seines Körpergewichts aus dem Sitz geschleudert wird. Eine gefährliche Sicherheitslücke. Da tröstet es besorgte Eltern auch nicht, dass Kinder unter zwei Jahren ohne eigenen Sitzplatz gratis oder für zehn Prozent des Erwachsenentarifs mitfliegen.
Zu aufwändig und zu teuer sei es, spezielle Sitze mitzuführen, in denen die Babys auch während Starts und Landungen sicher aufgehoben wären, argumentierten die Airlines jahrzehntelang. Und die Gesetzgeber beugten sich: Bis heute existiert weltweit keine Anschnallpflicht für die Kleinsten.
Nun endlich aber tut sich etwas. Die LTU ließ als erste Airline eine Zertifizierung für die Flugzeugtauglichkeit von Autositzen vom TÜV Rheinland vornehmen. Mit dem Winterflugplan 2004/05 sollen der Maxi-Cosi Mico (bis 9 Monate) und der aufblasbare Luftikid (9 Monate bis 6 Jahre) zugelassen werden. Erlaubt waren bisher bei den meisten Fluggesellschaften nur Sitze amerikanischer Hersteller mit entsprechender Kennzeichnung der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde FAA, die es allerdings nur in den USA zu kaufen gibt.
Die neue Sicherheit hat allerdings ihren Preis: Wer das Angebot von LTU nutzen will und damit einen weiteren Sitzplatz beansprucht, zahlt auch für unter Zweijährige den Kindertarif von 60 Prozent.
Das große Problem mit Autokindersitzen im Luftverkehr liegt an den unterschiedlichen Flugsitzen. »Jeder Flugzeugtyp ist je nach Gesellschaft, aber auch innerhalb eines Unternehmens anders bestuhlt«, sagt Martin Sperber, Leiter des Teams Luftfahrttechnik beim TÜV Rheinland. »Es gibt Maschinen, in denen 20 verschiedene Sitztypen eingebaut sind.« Noch arbeitet man bei LTU an der Software, die den Reisebüros für jede Maschine der Flotte anzeigen soll, welcher Platz für einen Kindersitz geeignet ist.
Auch bei Thomas Cook Airlines prüft man zur Zeit, bestimmte Autokindersitze in den Flugzeugen der Flotte zu erlauben. Vier Sitzmodelle deutscher Hersteller wurden bereits vom TÜV Rheinland auf ihre Tauglichkeit getestet.
In Zugzwang bei den großen Charterfliegern gerät jetzt die TUI-Tochter Hapag-Lloyd. Hier gilt bis auf weiteres: »Kinder unter zwei Jahren sind nach wie vor auf dem Schoß festzuhalten. Autokindersitze dürfen generell nicht mehr verwendet werden«, sagt Sprecherin Susanne Stünckel. Hapag-Lloyd prüft die Einführung des Kindersitzes von Innovint, den das Hamburger Unternehmen speziell für die Luftfahrt entwickelt hat. So hält das 2000 Euro teure Stück besonderen Belastungen stand und ist relativ platzsparend zu verstauen. Geschäftsführer Manfred Gröning: »Der Sitz wurde vor einem Jahr vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannt und hat die Anforderungen mehr als erfüllt.«
- Datum 22.01.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 22.01.2004 Nr.5
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