Onkel Stein und Kumpel Tim. Bis vor einer Woche konnte ihr Nicken einen Star gebären, immerhin waren sie für mehr als die Hälfte des deutschen Musikmarktes verantwortlich. Doch dann wurden Tim Renner (Universal Music) und Thomas Stein (Bertelsmann Music Group) zum Opfer ihres eigenen Talents.

Ihrem Gespür für deutsche Musik verdanken sie ihren Aufstieg - und ihre jetzige Entlassung. Tim Renner hat sich ohne weiteres für die Texte der Kastelruther Spatzen erwärmt: "Lieber Gott, schütz die Kinder, bring sie wieder gut nach Haus. ... Eltern haben doch ihr Kind ganz genauso lieb wie du."

Geschmack war eben eine Frage des erhofften Umsatzes, und deshalb kaufte er das Volksmusik-Label Koch für den Universal-Konzern. Seinen Ruf als Spürnase für erfolgreiche Musiktrends hatte er sich allerdings mit einer ganz anderen Band erworben - mit Rammstein. Seine damalige Entdeckung singt Verse wie: "Der Mutter, die mich nie geboren, hab ich heute Nacht geschworen, ich werd ihr eine Krankheit schenken und sie danach im Fluss versenken." Finanziell ist das kein Widerspruch. Für Renner genauso wenig wie für Thomas Stein, der an Schlagersängerin Andrea Berg und Soft-Rocker Peter Maffay glaubte, den Guano Apes einen Vertrag gab und eigenwillige Künstler wie Peter Licht vertrieb. Doch das Talent der beiden Manager passt nicht mehr in die Strategie der globalen Musik-Konzerne. Ihre US-Chefs glauben sich auf international vermarktbare Künstler konzentrieren zu müssen. Auf Raubkopierer im Internet und eine sinkende Halbwertszeit von Popstars reagieren sie, indem sie mit weniger Künstlern in kürzerer Zeit mehr Geld verdienen wollen. So weit die Theorie. Aber Andy Borg und Andrea Berg, Peter Maffay und Peter Licht treffen eben einen lokalen Nerv und werden deshalb immer ein Plattenlabel finden. Genauso wie Thomas Stein. Allerdings würde er dann wohl in einem VW Polo vorfahren müssen und nicht wie bisher in einem goldfarbenen Mercedes 500.