Das World Economic Forum mag den versammelten Topmanagern Jahr für Jahr ein neues Motto vorgeben – dieses Mal beschwört man eine "Partnerschaft für Sicherheit und Wohlstand". Tatsächlich ist der Gipfel in Davos vor allem ein Indikator für den Zustand der Globalisierung. In diesem Sinne gibt es einiges zu feiern im Schweizer Schnee.

Die asiatischen Volkswirtschaften laufen auf Hochtouren, Japan hat sich gefangen. Die USA haben sich am eigenen Schopf aus dem Konjunktursumpf gezogen – wenn auch um den Preis riesiger Staatsschulden. Was noch besser ist, weil dauerhafter: Angeführt von den Bevölkerungsriesen China und Indien, werden Drittweltländer selbstsicherer. In Cancún haben sie den faulen Handelskompromiss der Industrieländer durchfallen lassen. Und ihre führenden Konzerne wie Haier oder Tata dienen General Electric oder VW nicht als Werkbänke, sondern kommen mit eigenen Produkten auf die westlichen Märkte.

Es gibt einiges zu feiern in Davos, zumal sich der Gegengipfel namens Weltsozialforum dieses Jahr in einer Vielzahl unterschiedlicher Proteste und Bedenken verloren hat. Doch Europa bleibt skeptisch: Nach einer Umfrage des Forums glaubt die Hälfte der Westeuropäer, dass es ihrer Wirtschaft schlechter gehe als vor zehn Jahren – und ignoriert das Wachstum der neunziger Jahre. Der Grund lässt sich durchaus erahnen: Massenweise verlagern hiesige Industriebetriebe und Computerdienstleister ihre Jobs nach Osten. Das wiederum halten die Wohlfahrtsstaaten nicht aus.

Europa sollte alles tun, was die Marktwirtschaft erlaubt, um seine abzugsbedrohten Arbeitsplätze zu halten oder zu ersetzen. So muss regionaler Wettbewerb entfacht werden, damit sich Cluster von Herstellern, Zulieferern und Universitäten bilden, in denen sich Unternehmer und Forscher einen Standortvorteil erarbeiten. Manche Forschungsidee lässt sich nur gemeinsam verwirklichen. Strukturkonservierende Hilfen müssen in Bildungsinvestitionen umgewandelt werden – warum soll es keine neue europäische Eliteuniversität geben?

Doch in der EU streitet man lieber unter sich, als sich mit dem Rest der Welt zu messen. Brüssel will die Ausgaben nach oben schrauben, damit die Iberische Halbinsel genauso wie die hinzukommenden Osteuropäer ihren Subventionsdurst stillen kann – und Deutschland protestiert zu Recht. Die großen zwei, Paris und Berlin, spielen mit dem Stabilitätspakt – und die Kommission klagt dagegen, was die Sache nur noch schlimmer macht. Sollte Davos wirklich in Feierlaune geraten, werden die Europäer wahrscheinlich in der Ecke sitzen.