Bücher, Bücher, Bücher und voran das Buch der Bücher: Zur Antiquariatsmesse Stuttgart (23. bis 25. Januar) und anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums legt das Schweizer Antiquariat Bibermühle einen Katalog auf, der 180 Bibeln verzeichnet. Fünf Jahre hat der Herausgeber Heribert Tenschert damit verbracht, die seltensten Ausgaben des 13. bis 20. Jahrhunderts zu sammeln, um sie nun in einer Preisspanne zwischen 500 Euro und fünf Millionen Euro anbieten zu können.

Die Namen ihrer Vorbesitzer und Auftraggeber lesen sich wie ein Streifzug durch die europäische Geschichte: die russischen Zaren, Ludwig XIV., der Duke von Sussex, Fürst Esterházy, Graf Brühl und die Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg. Der großformatige Katalog im Faksimiledruck mit einem Mosaik-Einband im Stil des 16. Jahrhunderts aus rotem Maroquinleder mit reicher Vergoldung, schwarzen Intarsien und ornamentaler Wachsfarbenmalerei wird zwar erst wenige Tage nach Messeschluss vorliegen, dennoch steht Tenscherts Stand mit einem Probeexemplar und zahlreichen Andrucken im Zeichen des ehrgeizigen Produktes. Zudem bringt er zu der inzwischen erfolgreichsten und wachsenden deutschen Antiquariatsmesse eine Auswahl an geistlichen Manuskripten und Heiligen Schriften mit.

Eines der Prunkstücke dürfte eine komplette böhmische handschriftliche, mit mehrzeiligen Initialen und weit ausgreifendem Rankenwerk illustrierte Biblia Latina aus den Hussiten-Kriegen sein, die auf den Mai 1421 datiert ist. 1960 wurde sie aus der Sammlung Charles W. Dyson Perrins bei Sotheby’s in London versteigert (365000 Euro). Persönlicher, kleiner und auf 560000 Euro bemessen ist das deutsche Gebetbuch des Patrizier-Ehepaares Wolf und Helene Hoffmann aus Nürnberg um 1513/14 mit 41, teils ganzseitigen Miniaturen von Nikolaus Glockendon. Bibelliebhaber können auch bereits für um die 500 Euro Ausgesuchtes bei Tenschert finden, beispielsweise eine walisische Ausgabe des Neuen Testaments von 1825. Die kostbarsten Objekte aus dem 536-seitigen Katalog mit 400 Farbillustrationen und einem Vorwort von Martin Walser, der für 250 Euro selbst zum Sammlerstück avancieren könnte, spart sich der Antiquar für die Anfang März stattfindende Maastrichter Messe Tefaf auf.

Auch das Hamburger Antiquariat Jörn Günther bietet in Stuttgart eine seltene mittelalterliche illuminierte Handschrift auf Pergament an: Das Beauchamp-Stundenbuch ist um 1325 in England für den Gebrauch von Salisbury in Latein und Anglonormannisch niedergeschrieben worden (650000 Euro). "Auch wenn das Publikum in Stuttgart nicht so international ist wie in Maastricht, sich dafür aber mehr für die bibliophilen Inhalte und Fachgespräche interessiert", sagt Madeleine Schulz vom Antiquariat Günther, "wollen wir dort zeigen, was wir in der Spitze leisten können."

96 Händler sind in diesem Jahr in den Räumen des Württembergischen Kunstvereins dabei, so viele wie noch nie. Zehn Aussteller haben sich neu hinzugesellt, darunter Harteveld Rare Books aus Fribourg in der Schweiz und A. Rosenthal aus Oxford. Erweitert wird das ohnehin reiche Themenspektrum von Handschriften, Inkunabeln, Literatur, Reiseliteratur, Naturwissenschaften, Medizin, Kunst, Autografen, Grafik, Veduten, Welt- und Landkarten nun auch um einen breiteren Musikalienmarkt. Beim Stöbern bei Ulrich Drüner stößt man neuerdings etwa auf die Erstausgabe von Mozarts Krönungsmesse (1500 Euro). Beim selben Antiquar findet sich auch die Enzyklopädie von Diderot-d’ Alembert aus dem 18. Jahrhundert (1200 Euro) mit Grundrissen imposanter Theaterbauten in Neapel, Turin, Rom, Metz und Paris. Dieses Werk hat seinen besonderen Charme, weil darin der Plan des nicht mehr existierenden, damals als vorbildlich geltenden Stuttgarter Opernhauses abgebildet ist, auf dessen Grundstück inzwischen der Kunstverein residiert und wo die Messe zum 43. Mal stattfindet (Katalog und Information unter www.antiquare.de).

Es gehört längst zur Tradition, dass die Sammler bibliophiler Bücher und die Kuratoren der deutschen Kupferstichkabinette und Bibliotheken mit der Bahn zur Musikhalle ins nahe gelegene Ludwigsburg zur fast zeitgleichen Antiquaria pendeln. 53 Händler offerieren dort mit einem noch offeneren Konzept in Richtung Fotografie, Design, Firmenkataloge sowie Kuriosa zu kleineren Preisen eine Fundgrube zum Schauen und Blättern, wie sie für Optik, Haptik und Geruch keine noch so reichhaltig sortierte antiquarische Online-Datenbank bieten kann (24. bis 25. Januar, Information und Katalog unter www.antiquaria-ludwigsburg.de ).