In einem kleinen Park in Frankfurt leuchtet das weiße Logo der Deutschen Bank über den Baumwipfeln, hochgehalten von einem verspiegelten Turm. Eine Allee kahler Kastanien führt zu einer Villa, "Kempf & Dannenfeldt" steht auf dem Türschild. Es ist Freitag, der 16. Januar 2004, 11 Uhr. An diesem Morgen liest Eberhard Kempf in der F rankfurter Rundschau einen Artikel über den französischen Staranwalt Jacques Vergès, der gern den Teufel verteidigen würde. Ob der auch bei Kempf willkommen wäre? "Kommt drauf an, ob die Chemie stimmt", sagt Kempf.

Der Anwalt sitzt am hellen Holztisch im Erker seines Büros, an den Wänden hängen impressionistische Gemälde von Flüssen und Häfen. "Wenn ich einen potenziellen Mandanten treffe", sagt er, "stelle ich mir immer die Frage, passt das zusammen? Können wir uns verständigen?" Vielleicht wäre das ja auch beim Teufel möglich. Nur keine vorschnellen Urteile, bitte. Die sind Kempf ein Graus.

Da hat er mit Josef Ackermann ein dankbares Mandat bekommen. Der Deutsche-Bank-Chef steht momentan mit den Image-Werten des Leibhaftigen da. Seit Mittwoch dieser Woche wird er zusammen mit fünf weiteren Angeklagten wegen schwerer Untreue angeklagt (siehe Artikel auf Seite 19). Für viele steht das Urteil bereits fest: "Schuldig im Sinne der Anklage."

Nun will Kempf dazu beitragen, dass aus dem Urteil in Teilen der Öffentlichkeit kein Urteil im Gerichtssaal wird. Am Fenster zur Kastanienallee entwirft er die Verteidigungsstrategie, die er in den nächsten Wochen vor der Richterin, den Staatsanwälten und der internationalen Presse im Saal 111 des Düsseldorfer Landgerichts verfolgt. Der Exkurs wird zu einer dreistündigen Reise hinauf in die Welt der Global Player, weit oberhalb alltäglicher Geschäfte, abgehoben vom normalen Leben auf der Straße, ungefähr dort, wo Ackermann sein Büro in den Türmen der Deutschen Bank hat.

Allein 30 Millionen Mark genehmigte er, zusammen mit den drei Kollegen des Vergütungsausschusses im Aufsichtsrat, dem einstigen Mannesmann-Konzernchef Klaus Esser als Prämie nach der Fusion mit Vodafone. Unanständig? "Mannesmann hatte 1999 einen verteilbaren Gewinn von mehr als 500 Millionen Euro gemacht", erklärt Kempf. Esser erhielt also drei Prozent davon. "Wenn Sie ein Haus kaufen, ist es völlig normal, dass der Makler fünf Prozent Courtage oder mehr bekommt." Die Dimensionen seien eben andere.

"Entscheidend war, dass Vodafone zugestimmt hat"

Um die Höhe der Zahlungen wird es in dem Verfahren nicht gehen. Das Gericht hat sogar einen Antrag auf ein Gutachten abgelehnt, das die Summen untersuchen sollte.

Die Hauptverhandlung dreht sich vielmehr um die Frage: Haben die Angeklagten im Sinne des Unternehmens gehandelt – oder nicht? "Ackermann wird dazu eine Erklärung abgeben, in der er seine Beweggründe darlegt", sagt Kempf. "Er wird herausstellen, dass es um leistungsgerechte Zahlungen ging, die er genehmigte, und dass er im Gegensatz zu der Behauptung der Staatsanwaltschaft über alle Kerndaten des Unternehmens informiert war."