Start frei für die nächste Runde im Maut-Marathon! Am Dienstag Nachmittag lieferte das Konsortium Toll Collect ein dickes Konvolut im Bundesverkehrsministerium ab, in dem Änderungen an dem im September 2002 mit der Bundesregierung abgeschlossenen Vertrag über Errichtung und Betreibung eines Mautsystems für schwere Lkw vorgeschlagen werden. Hausherr Manfred Stolpe hatte eigentlich nur eines erwartet: Ein präzises Datum, an dem er endlich mit Einnahmen aus der Maut für die schweren Lkw rechnen konnte.Das Datum bekam er, wenn auch mit Einschränkungen: Spätestens Ende 2004 soll eine eingeschränkte Version funktionieren, das gesamte Programm wird möglicherweise erst Ende 2005 von Toll Collect abgeliefert. Auf all die Änderungsvorschläge zum Vertragstext hätte Stolpe liebend gerne verzichtet.Die schier endlose Maut-Geschichte ist schon verblüffend. Ende August 2003 sollte das System einsatzbereit sein. Zwei der größten deutschen Unternehmen, Telekom und DaimlerChrysler, schienen im Verbund mit dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute Garanten für pünktliche und zuverlässige Lieferung des Produkts zu sein. Bis kurz vor dem Start ließen sie ihren Vertragspartner, die Bundesregierung, im guten Glauben, es laufe alles bestens. Dann wurde der Start verschoben, erneut verschoben und schließlich auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Jetzt ist immerhin Ende 2004 ins Visier genommen.Das scheinbar Überraschendste an der Geschichte: Kaum jemand prüft ernsthaft Alternativen. Nach wie vor gibt Minister Stolpe zu, dass er nicht wirklich an eine (juristisch mögliche) Kündigung des Vertrags denkt. Er ist der Gefangene von Toll Collect, weil alle alternativen Lösungen mehr Nachteile als Vorteile bieten. Manche Bewerber haben sich bereits mit dem Vorschlag gemeldet, ein besseres, schnelleres, zuverlässigeres Maut-System aufzubauen. Aber die Bundesregierung kann solche Vorschläge gar nicht ernsthaft prüfen, weil ihre Verwirklichung zu langwierig wäre. Neue Verträge müssten auf jeden Fall neu ausgeschrieben werden, ein solches Verfahren dauert leicht über ein Jahr. Dann ist mit Einsprüchen und möglicherweise Klagen zu rechnen. Am Ende würden viele Monate verstreichen, ohne dass die Perspektive, Geld aus der Lkw-Maut einzunehmen, näher gerückt wäre.Also wird wieder zwischen den Vertragsparteien verhandelt. Das schafft kein Vertrauen, und damit ist umso weniger zu rechnen, als sie sich bald vor einem Schiedsgericht darüber streiten werden, ob der Bundesregierung nicht Schadenersatz für entgangene Leistungen zusteht.Eigentlich ist es höchste Zeit, dass sich der Bundeskanzler persönlich die Chefs von Telekom und DaimlerChrysler zur Brust nimmt. Sie haben nicht nur sich selbst blamiert, sondern den Kredit der ganzen deutschen Wirtschaft in der Welt gewaltig lädiert. Aus ihren Konzernzentralen ist das Argument zu hören, wer ein modernes Mautsystem wolle, müsse eben ein paar Monate länger darauf warten können.Wie lange wartet Gerhard Schröder noch darauf, den eitlen Bossen ihren Hochmut auszutreiben?