Es ist kalt am Mount Everest. So kalt, dass sich niemand wundern würde, wenn im Dämmerlicht gleich der Yeti den Berg hochstapfte. Dank neuer Technik würden wir unverzüglich von dieser Sensation erfahren. Denn vom Dach der Welt kann man neuerdings auf ganz moderne Weise kommunizieren. Das Everest-Basislager in 5300 Meter Höhe ist inzwischen ein so genannter Hot Spot. Was nichts anderes bedeutet, als dass dort eine spezielle Funkanlage steht, die das kabellose Mailen und Surfen per Laptop möglich macht.

Zwar ist noch nicht ganz klar, wer von hier aus tatsächlich Mails schicken wird. Denn die Notebook-Benutzung kostet 2500 Dollar, zuzüglich zum Expeditionspreis von 65000 Dollar. Doch grundsätzlich gilt der weltumspannende Ausbau dieser Hot Spots als eine der besten Ideen seit der Erfindung von Handy und Internet. Die Technik dahinter wird Wireless Local Area Network genannt, kurz: WLAN.

Im privaten Bereich ist die neue Technik bereits verbreitet. Notebook-Besitzer müssen sich zu Hause nur eine WLAN-Antenne an die Telefondose klemmen, um im Wohnzimmer oder auf der Terrasse schnurlos zu surfen. Der Empfangsradius reicht von 50 Metern in Gebäuden bis zu 500 Metern im Freien. Und in den nächsten Jahren wird die Zahl dieser privaten WLANs, der so genannten PWLANs, weiter zunehmen. Die Analysten sind sich einig: Es entsteht ein Massenmarkt.

Bald könnte es mehr Hot Spots als Tankstellen geben

Weltweit soll es schon über 20 Millionen WLAN-fähige Geräte geben, also Laptops mit entsprechenden Chips wie dem Centrino oder ältere Computer, die mit speziellen Karten nachgerüstet sind. Etwa 4,6 Millionen Geräte dürften es in Deutschland sein, schätzt eine Marktanalyse von Berlecon Research. Zu den privaten WLAN-Netzen zählen auch die schwarzen Access-Points, die findige Mitarbeiter basteln, um sich mehr Bewegungsfreiheit im Büro zu verschaffen. Oder die drahtlosen Unternehmensnetzwerke, die viele hundert Firmen ganz offiziell eingerichtet haben.

An den öffentlichen Hot Spots dagegen kann jeder online gehen: auf Flughäfen, Messeplätzen, in Hotels, Restaurants und Cafés, in Fußgängerzonen oder Einkaufszentren und bald auch in der Bahn und im Flugzeug. Die Anbieter hoffen auf lukrative Geschäfte. Vor allem Mobilfunkunternehmen und Internet-Service-Provider forcieren den Ausbau, allen voran T-Mobile, Vodafone und AOL in Deutschland sowie der europäische Marktführer Swisscom nebst British Telecom, France Télécom und Telefonica.

Verlässliche Zahlen über die Menge dieser Funkstationen gibt es allerdings nicht, angesichts von knapp 100 größeren Wettbewerbern ging irgendwann der Überblick verloren. Nur so viel: Während die Zahl der öffentlichen Hot Spots in Europa im vergangenen Jahr bei etwa 1400 lag, sollen es derzeit mehr als 10000 und allein in Deutschland zwischen 700 und 1200 sein. Unklar ist auch die Zahl der Nutzer: Die Marktforscher von Gartner zählten in Europa rund 1,7 Millionen. Dagegen schätzen deren Kollegen vom Konkurrenten Berlecon, dass es im ersten Halbjahr 2003 allein in Deutschland bereits 1,3 Millionen Hot-Spot-Nutzer gegeben habe. Die Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan sieht euphorisch ein "rasantes Wachstum des Europamarkts für öffentliche WLAN-Spots". Entsprechend sagt sie für 2006 europaweit 35000 aktive öffentliche Hot Spots voraus. Allein in Deutschland sollen jedes Jahr weitere 5000 entstehen. Damit gäbe es in vier Jahren mehr WLAN-Spots als Tankstellen im Lande.

Die Marktanalyse von Berlecon Research konzentriert sich auf die Nutzerzahlen und rechnet für Deutschland ungefähr mit einer jährlichen Verdopplung. Rund 3,2 Millionen Hot-Spot-Surfer sollen es 2005 sein, etwa vier Prozent der Bevölkerung. Eher konservativ nehmen sich da die Schätzungen von Forrester aus, die für 2007 erst von 7,7 Millionen Hot-Spot-Besuchern in ganz Europa ausgehen, also zwei Prozent aller Westeuropäer.