Eine schöne Leich' ausbuddeln, um sie abermals in die Horizontale zu betten: Das ist Düsseldorfs neuer Beitrag zur Musicalkultur. Er gilt jener Lady, der Wirtschaftskapitäne und Politiker zu Füßen lagen, bis im Jahre 1957 ein mysteriöser Mord ihr Treiben beendete. Rosemarie Nitribitt, regsam in Frankfurt, beerdigt in Düsseldorf, war Deutschlands glamouröseste Wirtschaftswunderhure. Ihr haben Dirk Witthuhn (Text) und Heribert Feckler (Musik) jetzt das freche, originelle Songspiel Das Mädchen Rosemarie gewidmet, das einen aufhaltsamen Aufstieg aus dem öden Kontakthof ins Luxusappartement auf die Bühne des Düsseldorfer Capitol-Theaters bringt. Das Mobiliar ist karg, doch die Botschaft einschlägig: Käufliche Liebe ist gut gegen Herzinfarkt und kostet pro Beischlaf 500 Mäuse. Das war eine stolze Gage, aber wer Anna Montanaro in der Titelpartie erlebt, ahnt die Saugkraft von platinblondem Haar und Wespentaille. Manchem Herrn schlägt ihre raffinierte Bürgerlichkeit auf die Stimme, nicht aber aufs Triebleben, in dem er außerehelich Vati und Mutti spielen kann. Manchen Reim wünscht man sich weniger pompös, doch die Musik ist charmant, und die kleine Band wirft sie mit Schmackes in den Saal. Gelegentlich wird breites Hessisch gesprochen, was die Gewissheit bestärkt, dass es sich um den ironischen Sonderfall eines Musicals aus und für Deutschland handelt.