kommentar They bet their farm on shaky foundationsSeite 2/2
Mit dieser Panorama Sendung hat sich die klassische BBC zurückgemeldet, die ungeachtet der politischen Orientierungen und Meinungen ihrer Redakteure, kühl zu berichten und analysieren pflegte. Ganz im Gegensatz zu der journalistischen Tendenz, die in den zurückliegenden Jahren auch bei der BBC um sich griff, nämlich möglichst dramatische und schlagzeilenträchtige News zu veröffentliche. Eine Tendenz, die in den dubiosen Beiträgen eines Andrew Gilligan ihren vorläufigen Höhepunkt fand.
Besser wäre es sicher auch gewesen, die BBC hätte sich bereits im Frühsommer vergangenen Jahres dieser Tugenden besonnen. Es wäre vieles vermieden worden, vielleicht gar der Freitod David Kellys. Sicher wären Greg Dyke und seine Führungsmannschaft dann nicht mit einem solchen, für sie höchst unangenehmen Fernsehprogramm konfrontiert worden, wie der BBC-Reporter Nicholas Witchell in den 22 Uhr-Nachrichten feststellte. Die BBC hoffe nun darauf, sagte Witchell, dass es der beste Weg sei, um die eigene Stärke und Integrität zu demonstrieren, wenn sie sehr robust, vollständig und freimütig über eine Geschichte berichtet, die sie in einem schlechten Licht erscheinen lässt.
In dem 90 minütigen Programm, das Greg Dyke und Richard Sambrook, Direktor News and Current Affairs vor der Ausstrahlung nicht gesehen hatten, wurde der vielleicht wichtigste Aspekt nicht angesprochen: Die Nachricht von der Lüge der Londoner Regierung ist für immer draußen. Sie kann nicht mehr zurückgeholt werden. Versehen mit dem internationalen Qualitätssiegel BBC ist die Falschmeldung um die Welt gerast, unzählige Male wiederholt und zitiert. Stets aufs neue wird sie verwendet in Politik, Medien oder privaten Kreisen. Der Schaden ist geschehen. Das Ansehen von Politik und Medien erlitt einen weiteren Schlag.
In Großbritannien fand in den vergangenen zwölf Monaten aber nicht nur eine notwendige Diskussion über den Irakkrieg statt. Zugleich wurde ein aufschlussreiches Lehrstück geboten über das Verhältnis von Medien und Politik. Auch die Politiker in Großbritannien gehen nicht unbeschädigt aus der Affäre hervor. Doch vor allem ist deutlich geworden, welche Macht die Medien besitzen und wie wichtig es ist für demokratische Gesellschaften, dass sie mit dieser Macht verantwortungsvoll umgehen. Das Drama um den Waffenexperten David Kelly und die Umstände seines Todes aber ist noch nicht zu Ende. Den vorläufigen Abschluss findet es nächste Woche, wenn Lord Hutton sein Verdikt fällen wird.
- Datum 15.01.2004 - 13:00 Uhr
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