medizin Hühner, Menschen, MutationenSeite 2/2
Tatsächlich setzt die WHO im vorbeugenden Kampf gegen ein neues Grippevirus des Menschen ebenso auf die Beseitigung der Infektionsquelle Huhn wie die Staaten beim Schutz ihrer noch gesunden Geflügelbestände. Leider wirft die Massentötung mit Hunderten zwangsverpflichteter Soldaten ein neues Problem auf: Wo viele Menschen mit hoch infektiösen Tieren zusammentreffen, sind häufigere Ansteckungen wahrscheinlicher. Der Keulung könnte so paradoxerweise die Entstehung des Supervirus begünstigen. Aus diesem Grund sieht die WHO drei Vorsichtsmaßnahmen für Arbeiter vor, wenn sie die Tiere töten: volle Schutzkleidung und Atemmaske, Impfung gegen menschliche Grippeformen sowie die Einnahme von schützenden Neuraminidasehemmern. Die beiden letzten Punkte werden wohl in Asien meistens nicht erfüllt, sagt Klenk. Auch in Europa wird diese Gefahr offensichtlich unterschätzt. Beim Ausbruch der Hühnergrippe in Holland hatte sich ein Veterinär geweigert, den Neuraminidasehemmer zu schlucken.
Mit Vogelgrippen aller Art wird der Mensch auch in Zukunft leben müssen. Schon 1878 wurden die ersten vergrippten Tiere in Italien gesichtet. Seit 1959 brach die Geflügelpest weltweit 20-mal aus. Offenbar waren es meistens für Mensch und Vogel harmlosere Varianten. Zugvögel aber können jederzeit die aggressive asiatische Geflügelkrankheit auch nach Europa tragen. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Je besser die Bevölkerung durch Impfungen gegen die normale Grippe geschützt ist, desto geringer ist die Chance für eine Mutantenentstehung. Auch müssten die Vorräte von Neuraminidasehemmern aufgestockt werden. Und vorsichtshalber empfiehlt die WHO, Hühnererkrankte in Quarantäne zu nehmen.
- Datum 22.01.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT
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