CDU Die KronzeuginSeite 2/2

Gemessen an dem Ausmaß der Parteispendenaffäre, ist der Sachverhalt, über den Baumeister und Schäuble bis heute streiten, belanglos. Doch Schäubles Karriere endete damals jäh; und auch Brigitte Baumeister wurde 2002 nicht wieder für den Bundestag nominiert. Wer damals Recht hatte? Obwohl sie „Neuigkeiten“ angekündigt hat, wird Baumeister auch in ihrem Buch wahrscheinlich keinen Beweis für ihre Version der Geldübergabe präsentieren können. Dafür wird sie ausführlich schildern, wie sie zwischen die Fronten der beiden großen CDU-Männer geraten konnte – eine Konstellation, die in ihrer Karriere angelegt war, seit der eine, Schäuble, sie in der Fraktion und der andere, Kohl, sie in der Partei gefördert hatte. Beide erwarteten von ihr bedingungslose Gefolgschaft. Und sie wird versuchen, einen Vorwurf auszuräumen, den Schäuble nach seinem Sturz als CDU-Chef formulierte, den er später wiederholt hat und an dem er bis heute festhält: Er sei im Januar 2000 Opfer einer „Intrige mit kriminellen Elementen“ geworden.

Obwohl Schäuble bewusst darauf verzichtete, Namen zu nennen, ist klar, wer gemeint war: der Waffenhändler Schreiber, der mehrfach aus seinem Fluchtort Kanada mit dem Büro Helmut Kohls telefoniert haben soll; Kohl selbst, der Schäuble – so erzählt es dieser – bei einem der ersten Gespräche nach Beginn der Affäre begrüßte: „Du hast doch auch von diesem Schreiber Geld bekommen“; und natürlich Brigitte Baumeister, die im Januar 2000 ebenfalls mit Schreiber Kontakt hatte. Schäubles Anwalt stellte sogar Strafanzeige gegen Schreiber. Der Waffenhändler, so der Vorwurf, habe Baumeister erpresst; erst daraufhin sei diese von Schäuble – und dessen Spendenversion – abgerückt.

Es ist dieser Vorwurf, der Brigitte Baumeister bis heute am meisten verletzt. Ausgerechnet Schäuble, dem sie vertraute, dessen Rollstuhl sie schieben durfte und mit dem sie in früheren Zeiten auch über private Dinge gesprochen hatte, bezichtigt sie der Lüge und des Verrats. „Es war so, dass ich für dich durch dick und dünn gegangen wäre“, hat sie ihm im Untersuchungsausschuss entgegengeschleudert, mit zitternder Stimme. „Wir hatten ein vernünftiges Verhältnis“, konterte Schäuble kühl, „alles andere war es auch nicht.“

Aber warum hat Baumeister im Januar 2000 zunächst Schäuble gestützt und dann eine andere Version der Spendenübergabe erzählt, diesmal in Übereinstimmung mit Schreiber? Weil diese andere Version der Wahrheit entspreche, beteuert Brigitte Baumeister bis heute. Zuvor habe sie aus Loyalität zu Schäuble gelogen. Und warum hat sie die Spende 1994 nicht ordentlich verbucht? Weil Schreiber sie darum gebeten habe; die Verantwortung für den verhängnisvollen Fehler hat sie längst übernommen.

Nicht nur von der Übergabe der 100000-Mark-Spende existieren also zwei Versionen. Auch ihre persönliche Beziehung haben Brigitte Baumeister und Wolfgang Schäuble unterschiedlich beschrieben. Hat sie sich als Parlamentarische Geschäftsführerin in seinem Schatten wichtiger genommen als sie war? Oder hat er seine frühere Vertraute eiskalt fallen gelassen, als seine eigene Karriere auf dem Spiel stand? Im Frühjahr 2000 geisterten Gerüchte über einen Selbstmordversuch der früheren CDU-Schatzmeisterin durch das Berliner Regierungsviertel. Als Schäuble mit ihr am 16. Januar das letzte Mal telefonierte, herrschte er sie an: „Jetzt musst du wirklich krank sein.“ Auch darum, sagt Brigitte Baumeister heute, habe sie das Buch geschrieben: „Als ich nicht mehr funktionierte, wie ich sollte, hat man mich schizophren genannt. So will ich einfach nicht mehr dastehen.“

Und die Bundespräsidentenfrage? Die Geschichte der Brigitte Baumeister wird noch einmal die Wochen und Monate lebendig werden lassen, in denen Schäuble, ganz und gar nicht präsidiabel, in den Sog der CDU-Parteispendenaffäre geriet. Verhindern wird sie allein seine Kandidatur nicht. Aber diejenigen in der Union, die sie verhindern wollen, werden Baumeisters Geschichte benutzen. Ende Februar wird das Buch in Berlin vorgestellt.

 
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