Ein trainiertes Lächeln aus einem sonnengebräunten Gesicht. Eine lässig baumelnde Hermès-Krawatte. Alles wie immer? Kein Grund zur Sorge, sagt der Präsident, alles wie immer, "Geduld, Geduld". Am Wochenende beginnt die Rückrunde der Fußballbundesliga. Dortmund gegen Schalke, Schwarz-Gelb gegen Blau-Weiß, ausverkauftes Haus, ein Riesenspektakel. Was gibt es da zu nörgeln? Wo liegt das Problem? BVB, Ballsportverein Borussia 09 e.V. Dortmund, eine der vornehmsten Adressen im europäischen Fußball, die Böden in der Geschäftsstelle sind mit dunklem Eichenparkett ausgelegt. Heraufziehende Pleite? Tiefe Krise? "Ach, nichts Neues passiert." So spricht Gerd Niebaum, der Präsident des Vereins, Doktor Gerd Niebaum, der Chef einer Anwaltskanzlei. Die doppelt verglasten Fenster in der fünften Etage des BVB-Hauses, in der Etage des Chefs, schlucken den Lärm der Autos, die unten auf der Bundesstraße 1 pausenlos von West nach Ost, von Ost nach West fahren. Dahinter, unter einem aschgrauen Himmel, die grellgelb bemalten Stahlträger des Westfalenstadions, das die Fans demütig "Tempel" nennen. Der Tempelvorsteher heißt inzwischen Vorsitzender der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien, und er trägt schwarze Lacklederschuhe.

Seit 18 Jahren regiert Gerd Niebaum den BVB, hat aus einem Provinzklub eine Kapitalgesellschaft gemacht, die erste und einzige deutsche Fußballfirma, die an die Börse ging. Die Schale des Deutschen Meisters hat Niebaum in den Händen gehalten, den Siegerpokal der Champions League, der Königsklasse im europäischen Fußball, den Weltpokal außerdem. Mit viel Geld kann man viel Erfolg kaufen, dachte Gerd Niebaum, und wenn man sich dafür heute hoch verschulden muss, dann wird der Profit von morgen die Schulden tilgen. Gerd Niebaum hat eine Wette auf die Zukunft abgeschlossen, und diese Wette droht er gerade zu verlieren. Rund 44 Millionen Euro Verlust, ermittelte Anfang Januar die Bayerische Hypo- und Vereinsbank, werde der BVB am Ende dieser Bundesligasaison angehäuft haben, wenn nichts passiert.

In Dortmund fragt man sich: Was kommt noch ans Licht?

Was schon passiert ist: Der Schutzwall, mit dem sich Niebaum umgibt, ist brüchig geworden. In Dortmund sagt es jeder, dass diejenigen, die Gerüchte streuen und immer neue, dunkle Zahlen lancieren, zu den engen Mitarbeitern des Präsidenten gehören müssen. Was kommt noch ans Licht? Selbst jene, die Niebaums Lebensleistung bewundern, sagen mittlerweile, dass ihnen der Mann unheimlich geworden ist. "Irgendwann hat er die Bodenhaftung verloren, hat er angefangen, Geld auszugeben ohne Sinn und Verstand", urteilt ein langjähriger Mitstreiter. Der Präsident sei "hoch intelligent, aber irgendwann fehlgewickelt worden". Liegt es daran, dass er entgegen dem Rat vieler Freunde nicht vom BVB lassen wollte oder konnte?

Von bedrohlichen Schwierigkeiten will Gerd Niebaum nichts wissen. "Wir schnallen den Gürtel insgesamt enger", sagt er in diesen Tagen lächelnd, ein "Kostensenkungsprogramm" habe er für alle Angestellten in der Geschäftsstelle durchgesetzt. "Ich verdiene schon seit geraumer Zeit sehr viel weniger." Die Hybris des deutschen Fußballs ist in Dortmund zu besichtigen, mehr noch, der tiefe Fall nach dem Höhenflug.

Die Qualifikation zur Champions League hat sein Verein verspielt, aus dem Uefa-Cup ist die Mannschaft schnell ausgeschieden, auch aus dem DFB-Pokalwettbewerb, und in der Bundesliga steht Dortmund im Moment auf Platz 6 – weit entfernt von den Rängen, die in die Champions League und damit zu den entscheidenden Geldquellen der Fernsehsender führen.

Diese Abhängigkeit von perfekten Flanken und Torschüssen!

Der Meister der Kalkulationen hat sich verrechnet. Er dachte, dass man sportliche Höchstleistungen abonnieren könne, wenn man in der ganzen Welt berühmte Spieler zusammenkauft. Rosick∞, Amoroso, Koller, Dede, Evanilson. Insgesamt 55 Millionen Euro zahlt der BVB seinen 27 Spielern im Jahr, mehr als jeder andere deutsche Fußballverein. Große Gehälter, dachte Gerd Niebaum, verschaffen große Pokale, und große Pokale verschaffen große Fernseheinnahmen. Und aus großen Einnahmen kann man wiederum große Gehälter bezahlen. Ein wundervoller Kreislauf. Jetzt aber beginnt Niebaum zu begreifen, dass man ohne sportliche Höhepunkte nur geringe Einnahmen hat, die gewaltigen Ausgaben aber bleiben. Wenn man jedoch notgedrungen teure Spieler jetzt verkauft, sinken die Chancen auf Pokale. Ein Teufelskreis.