Kunst Zerschnippelte BierbauchkulturSeite 2/2

Ironische Weltzerlegung

Anders als ihre politisch agitierenden und oft aggressiven Kollegen, anders als Hausmann, Baader und Herzfeld, hat Hannah Höch nicht mit dem Schlachtmesser gearbeitet, eher schon mit der Stickschere. Sie hat die kontrastierenden Fotowelten von Alltäglich und Exotisch, Banal und Heroisch, Männlich und Weiblich nicht im Zusammenschnitt kollidieren lassen, sondern sie wie in einem Puzzle präzise miteinander verschränkt. Nicht denunziatorisches Pathos, sondern ironisch gebrochene Poesie prägt diese zart konturierten Porträts einer Zeit und ihrer Menschen.

In Madrid zum ersten Mal ausgestellt ist das Sammelalbum von Hannah Höch, in das sie, auf dem Hintergrund zweier Hefte der Zeitschrift Die Dame von 1925/26, über 400 Abbildungen aller Arten eingeklebt hatte, sortiert nach Themen wie Sport, Akt, Tanz, Technik, Natur – eine Bildbibliothek. Zur selben Zeit sammelte der Kulturhistoriker Aby Warburg das Fotomaterial für seinen Bilderatlas zur Renaissanceforschung, dem er den Titel MNEMOSYNE gab, „Erinnerung“, und den er mit dem Satz einleitete: „Bewusstes Distanzschaffen zwischen sich und der Außenwelt darf man wohl als Grundakt menschlicher Zivilisation bezeichnen.“ Auch Hannah Höch schaffte sich diese Distanz durch das Prinzip von Collage und Montage. Die Basis aber für die analysierende Kombinatorik des Historikers und die schöpferische Fantasie der Künstlerin war die Fotografie im Zeitalter ihrer rotierenden Vervielfältigung.

Museo de Arte Reina Sofía, Madrid, bis zum 11. April; Katalog spanisch/ englisch 42,– Euro. Das Album von Hannah Höch erscheint im Verlag Hatje Cantz und kostet 58,– Euro

 
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