lebensmittel Wespentaille dank RinderhüftenSeite 2/2
Der Markt für „Low Carb“-Food dürfte derzeit ein Volumen von 2,4 Milliarden Dollar haben. Analysten schätzen, dass er sich in den kommenden Jahren verzehnfachen könne. Davon profitiert eine Reihe von bislang winzigen Unternehmen wie die vom Meister gegründete Atkins Nutritionals, aber auch Keto oder Sunset. Sie entwickeln Ersatzprodukte für all die Keksriegel, Frühstücksflocken, Bagel und Kartoffeln, die der strenge Doktor Atkins verboten hat. „Wir haben etwa 150 verschiedene Produkte auf dem Markt und machen exzellente Gewinne“, sagt Atkins-Sprecherin Colette Heimowitz – kein Wunder bei Preisen von sechs Dollar für eine Packung Soja-Cornflakes. Genaue Zahlen veröffentlicht das verschwiegene Unternehmen aus Long Island nicht, doch Analysten und Konkurrenten schätzen den Jahresumsatz inklusive Vitaminkapseln und Büchern (Atkins fürs Leben) schon heute auf 200 Millionen Dollar. Erst im vergangenen Jahr erwarben Goldman Sachs und eine Bostoner Kapitalgesellschaft für 600 bis 800 Millionen Dollar eine Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen, nannten es „das erfolgreichste Lebensmittelunternehmen heutzutage“ und spekulierten über einen Börsengang.
„Lange werden die fantastischen Margen natürlich nicht bleiben“, sagt Saif Mansour vom Atkins-Konkurrenten Sunset aus Los Angeles. „Doch der Markt steht vor einer derartigen Explosion, dass in den kommenden Jahren noch für alle Teilnehmer hervorragende Gewinne bleiben.“ Sunsets Lebensmittelchemiker entwickeln zurzeit eine „komplette Palette von Produkten mit wenigen Kohlenhydraten“. Mitbewerber Keto hat in den vergangenen Jahren bis zu 300 prozentige Umsatzsteigerungen erlebt.
Auch die ersten Großen der Lebensmittelbranche steigen in das Geschäft ein. Pepsi bringt Atkins-freundliche Chips heraus, Schnellrestaurants von T.G.I. Friday und die Sandwich-Kette Subway präsentieren Atkins-freundliche Menüs. Die Supermarktkette Wal-Mart arbeitet angeblich an einer eigenen „Low Carb“-Hausmarke. Auch McDonald’s, Kentucky Fried Chicken, die Brauerei Anheuser-Busch und der Ketchup-Hersteller Heinz sind mit Angeboten auf dem Markt. Eingebrochen sind dagegen die Verkäufe der bisher bekanntesten amerikanischen Diätprodukte von Slim Fast: Die Shakes und Riegel der Firma enthalten viel Zucker – ein Tabu für Atkins-Karnivoren.
Was aber, wenn die Atkins-Diät – wie bislang alle Diäten – aus der Mode kommt, die Amerikaner zu Fast Food zurückkehren oder den nächsten Gesundheitstrend entdecken? „Um die Geschäfte von Peter Luger mache ich mir keine Sorgen“, sagt Steakhouse-Mitarbeiterin Dorothy. „Die Leute kommen hier nicht wegen einer Diätmasche hin – sondern weil wir die besten Steaks von New York braten!“
- Datum 29.01.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 29.01.2004 Nr.6
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