zeitgeschichte Japans Triumph, Russlands DebakelSeite 5/5
In Japan hingegen wollte keine richtige Siegesfreude aufkommen. Gewiss war das Land nun die anerkannte Großmacht im Fernen Osten und konnte 1910 ungehindert Korea annektieren und die Mandschurei wirtschaftlich beherrschen. Doch die Kosten der imperialistischen Politik standen in keinem Verhältnis zu den Erträgen. Außerdem bekamen die Japaner nun den Zorn von Chinesen und Koreanern zu spüren, japanische Waren wurden 1908 in China boykottiert. »Niemals«, schrieb Marquis Ito 1907 bitter, »war Japan in der Welt so isoliert wie jetzt.«
Die Verfassung des Inselreiches hatte eine unheilvolle Lücke: Heer und Flotte standen nicht unter verlässlicher politischer Kontrolle. Und gerade die führenden Militärs sahen im Expansionismus weiterhin eine Lösung für soziale Probleme. Wenn der Krieg gegen Russland nicht richtig geholfen hatte, dann musste man eben die Dosis erhöhen. 1931 marschierten Japans Soldaten in der Mandschurei ein, 1937 ins China südlich der Großen Mauer. Und aus dem Krieg 1904/05 hatte das japanische Militär die generelle Lehre gezogen, dass ihr Land auch vor einem weit überlegenen Gegner bestehen könne, sofern man nur entschlossen gleich zu Beginn des Krieges die feindlichen Seestreitkräfte ausser Gefecht setzte. Dies allerdings sollte sich nur wenige Jahrzehnte später als ein besonders verhängnisvoller Irrtum erweisen.
- Datum 05.02.2004 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 05.02.2004 Nr.7
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