Erst Bush, dann Blair. Nun haben sie beide Untersuchungen gegen ihre eigenen Geheimdienste wegen Fehlinformationen über die irakischen Waffenpotenziale eingeleitet. Für Präsident und Premier ist es nur ein schwacher Trost, dass alle westlichen Dienste, inklusive die der Israelis, im Irak mit einer Fülle einsatzbereiter Massenvernichtungswaffen gerechnet hatten.

Die Spione kritisch unter die Lupe zu nehmen ist jedenfalls überfällig, nachdem David Kay freimütig gestanden hatte, dass sich alle geirrt hätten.

Seine Irak Survey Group konnte im Zweistromland keine riesigen Arsenale entdecken. Deshalb die Ohrfeige für CIA und MI6, die sich allzu sehr auf neue Elektronik und alte Quellen verlassen hatten. Deshalb auch die heftige Kritik an Bush und Blair.

Allerdings eignet sich der zurückgetretene David Kay nicht als Kronzeuge der Anklage gegen die Invasion. Massenvernichtungswaffen mag der Irak zu diesem Zeitpunkt nicht besessen haben. Doch haben seine Inspektoren eine verborgene Infrastruktur von Laboratorien und ABC-Programmen entdeckt, die allesamt auf rasche Produktion angelegt gewesen seien. Der Irak, chaotisch und korrupt, habe sogar eine noch größere Gefahr dargestellt, sagte Kay in Washington, als man vor einem Jahr angenommen habe. Schade, dass dieser Satz so wenig zitiert wird.