Jetzt hilft nur noch zerschlagen - eine Forderung, die im Zusammenhang mit der Bundesagentur für Arbeit inzwischen populär zu werden scheint. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, ging jetzt sogar noch einen Schritt weiter. In der Wirtschaftswoche fordert er, selbst die Versicherungsleistung zu privatisieren, also das Risiko, Arbeitslosigkeit durch private Unternehmen abzudecken.

Doch wie es Alten und sozial Schwachen im freien Wettbewerb ergehen kann, dafür gibt es schon aus dem Gesundheitswesen beredte Beispiele.

Gesetzliche Krankenkassen bieten neuerdings in Kooperation mit privaten Versicherern Zusatzpolicen für stationäre Behandlung, Brillen oder Zahnersatz an. Nur: Wer über 65 Jahre alt ist, muss damit rechnen, dass er ausgegrenzt wird. Für Menschen von diesem Alter an verweigern etliche Privatversicherer die Leistungen. "Wir können Ihnen kein Angebot machen", heißt es dann bei den Unternehmen auf Anfrage.

Ähnlich wäre es Sozialhilfeempfängern beinahe in Berlin ergangen. All jene, die bis zu Beginn des Jahres nicht krankenversichert waren und nur mit einer speziellen Bescheinigung des Amts zum Arzt gehen konnten, sollen sich nun eine gesetzliche Kasse aussuchen. Eigentlich eine gute Idee von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Weil aber auch unter den gesetzlichen Krankenkassen inzwischen massiver Wettbewerb herrscht, ist für AOK, Barmer und Co. vor allem junges, gesundes und berufstätiges Klientel attraktiv.

Zudem bereiten ihnen die Sozialhilfeempfänger zusätzliche Arbeit, weil die Abrechnung von Leistungen in ihrem Fall viel komplizierter geregelt ist als bei "normalen" Kunden. Auf die Kassen kommt deshalb ein enormer Verwaltungsaufwand zu. So ließ denn die Barmer Ersatzkasse in Berlin die Sozialhilfeempfänger der Stadt wissen, dass es für sie eine Beratung nur im 300 Kilometer entfernten Zwickau gäbe. Noch dazu beschloss der Berliner Senat, Sozialhilfeempfängern den Zuschuss für Fahrkarten zu streichen.

Nach massiven Protesten ruderte die Barmer zurück. Offensichtlich hatte sich deren regionales Management zu eilfertig und zu weit vorgewagt. Man wolle niemanden ausgrenzen, beteuerte Barmer-Chef Eckart Fiedler. Die Frage ist nur, ob man bei der Konkurrenz ähnlich denkt.