Der Plan erhielt die Billigung von höchster Stelle. Seitdem der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo vergangene Woche sein feindliches Übernahmeangebot an den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis gemacht hat, überschlägt sich die Regierung in Paris mit Lobpreisungen.

Für Premierminister Jean-Pierre Raffarin führt die Fusion zu einem "unbestrittenen Weltmarktführer, der mit seiner Wirtschaftskraft auch die kleineren Unternehmen stärkt". Finanzminister Francis Mer rühmt schon die Entstehung eines "europäischen Champions, der in der globalisierten Ökonomie wettbewerbsfähig ist". Selbst Sozialminister François Fillon, dessen Ressort sonst die weniger schönen Folgen fusionsbedingter Entlassungen zu tragen hat, sieht in dem neuen Industriegiganten "langfristig keine Gefahr für die Beschäftigung".

So viel Optimismus ist im französischen Wirtschaftsleben selten geworden. Nach dem jüngsten Übernahmeschock, als 2003 der französische Aluminiumhersteller Pechiney vom kanadischen Konkurrenten Alcan geschluckt wurde, war den Franzosen einmal mehr bewusst geworden, wie schutzlos sie Angriffen aus dem Ausland ausgeliefert sind. Jetzt hoffen sie auf mehr Fortüne im Übernahmemanöver, bei dem Sanofi in Paris (7,45 Milliarden Umsatz, 32400 Beschäftigte) den mehr als doppelt so großen Konkurrenten Aventis in Straßburg (17,6 Milliarden Euro Umsatz, 71000 Beschäftigte) kaufen möchte. Der Angriff im eigenen Land gilt als beste Verteidigung dagegen, dass bald ein britischer oder amerikanischer Rivale die heimischen Festungen einnimmt.

In Deutschland dagegen kam das alles gar nicht gut an. Die Aventis-Arbeitnehmer hierzulande wissen, dass sich die Übernahme für Sanofi nur lohnt, wenn Stellen wegfallen, und sie fürchten, dass sie den Kürzeren ziehen werden. Zwar versuchte Sanofi-Chef Jean-François Dehecq diese Bedenken zu zerstreuen. "In Frankfurt sind weder die Labors noch die Fabriken gefährdet", versicherte er. Auch Igor Landau, Chef des bedrohten Pharmariesen Aventis beteuerte: "Die französische Regierung verhält sich neutral. Wir sind in keiner Weise bedrängt worden." Aber das reicht nicht, um die Sorgen der Mitarbeiter zu zerstreuen, denn gleichzeitig signalisiert der Aventis-Chef, dass das Sanofi-Angebot bei einer Erhöhung um vierzig bis fünfzig Prozent interessant werden könnte.

Ausländer besitzen schon ein Drittel der französischen Aktien

Beobachter im Pariser Wirtschaftsministerium prophezeien bereits, dass das derzeitige Übernahmemanöver ähnlich verläuft wie zuvor bei Pechiney und Alcan: erst lange Verhandlungen, dann eine Erhöhung des Angebots und schließlich die schnelle Übergabe.

Doch dass die Regierung ernsthaft bei Fusionen mitmischen kann, hält Elie Cohen, einer der angesehensten Pariser Ökonomen, für einen nostalgischen Traum. "Unsere Politiker reden immer noch so, als seien sie für die Industrie zuständig", sagt der Direktor vom nationalen Forschungsverband CNRS. "Doch sie haben längst nicht mehr die Mittel dazu, weil sich Frankreich längst vom staatlich geführten Kapitalismus zum Markt-Kapitalismus entwickelt hat." Heute hätten allein die Investoren das Sagen.

Dennoch kann die Pariser Regierung dafür sorgen, dass nicht jeder Konkurrent aus dem Ausland freien Zugang zum heimischen Markt hat, vor allem in der Gesundheitsbranche, die noch stärker reguliert ist als in Deutschland. Mit langwierigen Zulassungen und ungünstigen Erstattungssätzen der Krankenkassen können Medikamente ausländischer Anbieter wirksam blockiert werden. Das setzt den Möglichkeiten von Aventis, sich selbstständig einen rettenden Partner zu suchen, etwa Novartis aus der Schweiz, enge Grenzen.