Wissenschaft und Technik werden im 21.Jahrhundert im täglichen Leben der Deutschen eine größere Rolle spielen als je zuvor. Somit ist es wichtiger denn je, dass die deutschen Wissenschaftler sowohl untereinander als auch mit der Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern effektiv zusammenarbeiten. Viele Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinde in Deutschland glauben jedoch, dass die bestehenden Verbindungen zwischen der Wissenschaft und dem Rest der Gesellschaft diesen Anforderungen nicht genügen und daher etwas Neues, Übergeordnetes entstehen muss: eine deutsche Nationalakademie der Wissenschaften.

Die meisten europäischen Länder haben bereits eigene nationale Akademien. Deren Hauptaufgabe besteht darin, ihre jeweiligen Wissenschaftsgemeinden im In- und Ausland zu repräsentieren. Die Funktionen und Arbeitsweisen dieser Akademien unterscheiden sich zwar von Land zu Land, aber sie alle sind unabhängig konstituiert, und ihre Mitglieder werden ausschließlich aufgrund wissenschaftlicher Verdienste von Universitäten, Unternehmen und staatlichen Instituten berufen. Diese Institutionen bieten in erster Linie ein Forum, in dem wichtige wissenschaftliche Fragen diskutiert werden können. Darüber hinaus vermitteln sie Expertenmeinungen und parteiunabhängige Ratschläge innerhalb und außerhalb von Regierungskreisen.

Die Royal Society, die britische nationale Wissenschaftsakademie, lässt beispielsweise der Regierung zunehmend die Ergebnisse von Expertenrunden zukommen – auch wenn die sie gar nicht ausdrücklich angefordert hat.

Ratschlag ohne verdeckte Interessen

Von einer Betrachtung der Grundlagen des Wissenschaftsbetriebs selbst bis zu jener der potenziellen Risiken genmanipulierter Nahrung – die Royal Society hat sich frühzeitig zu Wort gemeldet, damit fundierte Informationen über die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen in politische Entscheidungen einfließen können. Solche fachlichen Hinweise werden von der Regierung sehr geschätzt, weil es sich um unabhängige Expertenmeinungen handelt, die frei sind von verdeckten parteipolitischen oder wirtschaftlichen Interessen.

Die Mitglieder solcher Arbeitsgruppen werden meistens aus dem akademischen Umfeld oder der Industrie berufen, und die leitende Kommission der Royal Society unterzieht diese Arbeit einer eingehenden Prüfung, um ihre wissenschaftliche Integrität zu gewährleisten. Die meisten dieser politischen Beratungen werden von der Royal Society selbst initiiert, teilweise gehen sie auch auf Anfragen von Ministerien oder Parlamentsausschüssen zurück, und einige größere Projekte wurden direkt auf Bitte der Regierung durchgeführt.

Im August 2001, nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche, wurde die Royal Society zum Beispiel beauftragt, die Bedrohung von Nutztieren durch Infektionskrankheiten sowie mögliche Gegenmaßnahmen zu untersuchen. Aufgrund ihres im Juli 2002 veröffentlichten Gutachtens konnte der Umgang mit Tierseuchen, die sich potenziell verheerend auf den Tierbestand und die Wirtschaft eines Landes auswirken, sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene verbessert werden.

Vor kurzem begann die Society mit einer von der Regierung finanzierten Untersuchung über zukünftige Entwicklungen in der Nanotechnologie. Dabei soll unter anderem geklärt werden, ob diese neue Technik möglicherweise neue ethische, gesundheitliche oder soziale Implikationen mit sich bringt, die von den bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht berücksichtigt werden. Über ein Internetforum wurde dabei auch die Öffentlichkeit zur Beteiligung an der Studie aufgerufen (www.royalsoc.ac.uk/nanotechnology).