George W. Bush kann froh sein, dass die USA nicht im Euro-Verbund sind.

Beinahe täglich hätte er einen aufgebrachten EU-Währungskommissar an der Strippe. Denn sein Haushaltsdefizit bewegt sich auf fünf Prozent zu.

"Reagonomics" hieß Ronald Reagans Mischung aus Liberalisierung und Schuldenmacherei. Nun zeigen sich die Konturen der "Bushonomics": Steuergeschenke für die Reichen und die Mittelklasse, Gesundheitsfürsorge für Arme, explodierende Budgets fürs Militär und den Heimatschutz - alles geht, allerdings zulasten der Zukunft. Mehr als eine halbe Billion Dollar Defizit hat Bush für dieses Jahr geplant, und seine Pläne zum langsamen Abbau von 2005 an leben von übertriebenen Konjunkturerwartungen.

Bush, der Junior, versucht dem Schicksal des Seniors zu entgehen, der zwar 1991 den Golfkrieg gewann, aber 1992 die Wahl verlor, weil die Wirtschaft einbrach. Doch wie so viele Söhne, die es besser machen wollen als die Väter, übertreibt der Präsident. Eine gute Konjunktur kann man sich nur kurzfristig kaufen, und viele seiner Landsleute ahnen das angesichts der neuen Budgetzahlen - einschließlich der republikanischen Abgeordneten, die sich gegen die Schuldenorgie wenden.

Doch in seinem ökonomischen Kampf hat Bush junior mehr Verbündete als am Golf. Die allzu linken Wahlkämpfer von den Demokraten gehören dazu, ebenso kauflustige Konsumenten, die den Kater nach dem Rausch nicht fürchten - und ein Europa, das wirtschaftlich kaum auf die Beine kommt. In dieser Verfassung ist die Alte Welt kein ernster Konkurrent um das internationale Kapital, das die USA so dringend zur Schuldenfinanzierung brauchen.